So gut wie nie

von Redaktion

Während die Konkurrenz noch schwächelt, erfreuen sich Bayerns Basketballer an sich selbst

Von Patrick Reichelt

München – Für einen kurzen Moment hat Uli Hoeneß seine Lobeshymnen dann doch unterbrochen. Braydon Hobbs, Neu-Spielmacher der Basketballer des FC Bayern, hatte sich fast schüchtern an den Klubpräsidenten herangeschlichen. Man wollte dann doch mal hallo sagen, „Hobbs ist eh mein Lieblingsspieler“, schwärmte Hoeneß.

Aber nicht nur der frühere Ulmer, die ganze Mannschaft hatte den 65-Jährigen verzückt bei diesem 111:53 gegen die Löwen Braunschweig. „Ich habe unsere Mannschaft noch nie so stark gesehen, auch in der Breite sind wir jetzt richtig gut. Man hat das Gefühl, dass wir jetzt ohne Qualitätsverlust wechseln können“, schwärmte Hoeneß, „offensichtlich haben wir diesmal mit unseren Neuverpflichtungen wirklich Glück gehabt.“

Sasa Djordjevic, der Trainer, versuchte gar nicht erst, die Euphorie des Präsidenten zu bremsen, der zuvor übers Hallen-Mikrofon die Meisterschaft zum Pflichtstück ausgerufen hatte. „Es ist schön, dass er das so sieht“, sagte der Serbe, „für dieses Ziel bin ich hierhergekommen, das ist das, was wir alle wollen.“

Natürlich sind die Trophäen dieses Jahres noch weit weh. Fürs erste haben sich die Münchner mit zwei Teams auseinandergesetzt, die am Ende wohl eher im hinteren Teil der Bundesliga-Tabelle zu erwarten sind. Doch auffällig bleibt: Während sich Topteams wie Bamberg, Berlin oder Ulm schon die ersten Niederlagen eingehandelt haben, läuft das Bayern-Spiel schon bemerkenswert rund. Wobei den Trainer vor allem der Charakter freute, mit dem seine Profis die beiden Auftaktspiele bestritten haben. „Wir sind sehr seriös, sehr fokussiert an diese Spiele herangegangen“, sagte er, „jeder Trainer hofft, dass es so ist wie heute.“

Während es andernorts noch ums Grundsätzliche geht, hat Djordjevic in diesen Tagen eher Aufgaben der Kategorie Luxusproblem. Etwa die Integration von Top-Spielmacher Stefan Jovic in ein Ensemble, in dem der Ball auch so schon prächtig lief: Nicht weniger als 28 Assists gegen Braunschweig sind da schon ein ganz guter Beleg. Der frühere Belgrader hatte wegen seiner Fußverletzung bis zum Wochenende „noch nicht zu hundert Prozent mit der Mannschaft trainieren können“, sagte Djordjevic. Das könnte sich nun ändern, gut möglich, dass die Partie a Samstag (16.00 Uhr) bei der bislang noch sieglosen BG Göttingen zum Testlauf für den Eurocup-Auftakt am darauf folgenden Mittwoch bei Ex-Euroleague-Klub Galatasaray Istanbul wird.

Doch auch ohne Jovic wäre den Bayern vor diesen Aufgaben gewiss nicht bange. Zumal neben Hoeneß-Lieblingsspieler Braydon Hobbs („Er ist immer für einen genialen Paß gut“) auch Anton Gavel merklich Spaß am Bälleverteilen hat. Während Vorgänger Bryce Taylor anfangs an der Kapitänsrolle kräftig knabberte, scheint die neue Verantwortung Gavel zu beflügeln. Außerhalb des Spiels präsentiert er sich aufgeräumt, am Feld wuselt er wie zu besten Zeiten. Fünf Assists sammelte er gegen Braunschweig an, war damit gemeinsam mit dem vielseitigen Reggie Redding der beste Ballverteiler.

Und gab sich trotzdem im Gegensatz zu seinen Chefs vergleichsweise zurückhaltend. „Wir haben jetzt zwei Spiele gut gespielt und gewinnen – mehr nicht“, sagte er, „jetzt dürfen wir nicht den Fehler machen, abzuheben.“ Motto: Ball flach halten, weiterarbeiten.

Größere Lobeshymnen kann Gavel derweil ja getrost seinem Präsidenten überlassen.

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