München – Seit drei Tagen ist in Nicolas Strodels Profikarriere ein allererster Torschuss vermerkt. Wer das Heimspiel des EHC München in der Champions Hockey League (CHL) am Dienstag aufmerksam verfolgt hat, wird einwenden: Ein richtiger Schuss war es ja nicht gewesen. Eigentlich hatte Strodel nur seinen Schläger dazwischengehalten. Doch das notieren die Eishockey-Statistiker als eigenen Versuch. Doch lenkte er den Puck derart geschickt ab, dass der eine neue Flugbahn erhielt, die vorbei am schwedischen Torhüter Felix Sandström direkt ins Tor führte. Der Premierentreffer des 18-Jährigen genügte zwar nicht, um die 2:3-Niederlage gegen Schwedens Vizemeister Brynäs IF Gävle abzuwenden, wohl aber um seinen Namen ins Gedächtnis der Münchner Fans einzuspeisen. Doch jetzt, da Nicolas Strodel sich gerade erst vorgestellt hat, wird er vorerst wieder verschwinden.
Der EHC München befindet sich in der wohl spannendsten Woche der noch jungen Saison, was Trainer Don Jackson dazu veranlasste, Prioritäten zu setzen. Vor dem CHL-Heimspiel gegen Brynäs IF verordnete er fünf seiner Besten – Jason Jaffray, Dominik Kahun, Patrick Hager, Yannic Seidenberg, Michael Wolf – eine Pause. Dem Trainer fehlte bei dieser Partie schlicht die sportliche Bedeutung. Für das Achtelfinale sind beide Mannschaften nämlich schon qualifiziert, den Gruppensieg spielen sie nun am kommenden Dienstag (18.30 Uhr) in Schweden aus. Also bediente sich Jackson an der Red-Bull-Akademie in Salzburg, wo der Konzern Fußball- und Eishockeytalente für seine Sportklubs ausbildet. Neben Nicols Strodel durften vier weitere Nachwuchsspieler mal für einen Abend ins Profitrikot schlüpfen. Hinterher verteilte der Trainer gar ein Extralob: „Die Jungs haben einen tollen Job gemacht, ich bin stolz auf sie.“
Und trotzdem werden sie sich vorerst wieder in Salzburg beweisen müssen. Denn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) warten an diesem Wochenende zwei Spiele auf den EHC München, die vorführen könnten, wie es tatsächlich um die Frühform des Meisters steht. Erst tritt München heute (19.30 Uhr) bei den Nürnberg Ice Tigers an, am Sonntag (14 Uhr) kommen dann die Adler Mannheim ins Olympia-Eisstadion – also jene beiden Mannschaften, die sich neben den Kölner Haien am meisten bemächtigt fühlen, den EHC München nach zwei Jahren der schieren Unantastbarkeit vom deutschen Eishockey-Thron zu verdrängen.
Ihre großen Ambitionen haben sich in den ersten Saisonwochen verfestigt. Mannheim hat sich ebenfalls für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert, den schwedischen Meister Jönköping besiegten sie gleich zweimal. Nürnberg führt die DEL nach neun Spieltagen an. Deswegen wird Don Jackson auf die besten Spieler setzen. Nicolas Strodel wird auf seinen zweiten Torschuss warten müssen.