Es wäre ein gefundenes Fressen für Helmut Dietl gewesen, so viel Realsatire des Fußballs. Leider ist der Kult-Regisseur verstorben, aber eventuell versuchen sich andere mal an dem Stoff; von Gerhard Polt über Harry G bis zu Bully Herbig hat der Freistaat ja ein paar Humoristen unterschiedlicher Ausprägung zu bieten. Als die Nachricht publik wurde, der FC Bayern habe mal wieder Jupp Heynckes reaktiviert, war jedenfalls eine weitverbreitete Reaktion: Ist das ein Scherz? Und obendrein: Ein schlechter?
Nein, das Skript gibt in den Augen der Bayern-Bosse tatsächlich noch einmal eine Hauptrolle für den 72-Jährigen her. Gewiss, die Umstände der Rückholaktion sind schwierig und Heynckes’ Verdienste unbestritten – dennoch müssen sich die Chefs den Vorwurf gefallen lassen, dass diese Aktion kein Geniestreich ist. Es hätte in Thomas Tuchel eine attraktive, vorwärtsgewandte Alternative gegeben. Eine, die heikel gewesen wäre, aber gerade in Zeiten, in denen der Klub nach einer Erneuerung schreit, wäre die Verpflichtung des ehemaligen Dortmunders ein peppiges Zeichen für die Zukunft gewesen.
Die Bayern verfahren lieber mit der Politik der ruhigen Hand, der ganz ruhigen sogar. Freilich auch eine Lösung, aber sie machen sich zunehmend angreifbar, angesichts fehlender Visionen im eigenen Sud zu kochen. Es ist eine schwere Aufgabe, in diesen von internationalen Unsummen überfrachteten Zeiten seinen Weg zu finden. Dennoch sind genau jetzt eben auch progressive Strategien gefragt.
Heynckes ist ein honoriger Mann. Und ein treuer Freund des FC Bayern. Aber diesmal, bei seiner dritten Rückkehr, hält sich der Beifall schwer in Grenzen. Zu sehr wird er nun auch ein Gesicht der Ideenlosigkeit, der Stagnation, des Rückschritts. Die Umstrukturierung der Mannschaft läuft bereits eher unrund, und nun sichern sich die Bayern mit der Zwischenlösung Heynckes zwar Zeit, nehmen aber auch eine komplette Saison Leerlauf in Kauf.
Dass Heynckes selbst davon spricht, er müsse sich das Engagement überlegen, da sich der Fußball in den vier Jahren Ruhestand gewandelt habe, spricht im Übrigen für ihn. Er möchte nicht als Ewig-Gestriger zurückkehren, der nicht weiß, dass seine Zeit eigentlich vorbei ist. Satiriker aufgepasst: Die Bayern geben derzeit eine gute Zielscheibe ab. Aber Jupp Heynckes ist dennoch sicher keine Witzfigur.