München – So ganz abgehakt hat Vladimir Lucic das verlorene EM-Finale ja noch immer nicht. „Ich werde mich immer daran erinnern, dass wir die Chance auf Gold hatten“, sagte er. Doch zumindest über das Warum grübelt er nicht mehr. Der Mann hat schon neue Ziele: „Ich will mit Bayern weit kommen.“
Zwei gute Argumente, warum es damit klappen könnte, hat Lucic gleich von der Nationalmannschaft mitgebracht. Mit Milan Macvan und Ausnahme-Spielmacher Stefan Jovic tun noch zwei weitere Silbermedaillengewinner von Istanbul in München Dienst. Letzterer wird nach seiner Fußverletzung aus der EM am Samstag in Göttingen (16 Uhr) erstmals eingreifen. Doch Lucic ist sich ziemlich sicher: „Sie werden die Qualität und den Hunger einbringen, die wir brauchen.“
Vor alle aber hat die neue Serbien-Connection, der auch Trainer Sasa Djordjevic angehört, einen günstigen Nebeneffekt. Man kennt sich, man versteht sich, die Spielsysteme sind bekennt. Nicht zuletzt auch deshalb sind die Bayern in dieser Saison vom Start weg auf Betriebstemperatur. „Wenn man sieht, wie die Atmosphäre in der Mannschaft schon ist, wie sie funktioniert“, sagte Macvan, „dann ist das ein Vorteil.“
Gerade Macvan könnte in den kommenden Wochen und Monaten eine Schlüsselrolle zukommen. Der Power Forward, der den in die NBA abgewanderten Maxi Kleber ersetzte, ist selbst erst 27. Doch ob mit Maccabi Tel Aviv, Partizan Belgrad, Galatasaray Istanbul oder zuletzt bei Olimpia Mailand – wo immer er war, hat er um Titel gespielt und auch gewonnen. Dieses spezielle Gen des 2,06-Meter-Mannes hat in den letzten Spielzeiten gefehlt als die Bayern zuverlässig dann patzten, wenn es wichtig wurde. „Er ist ein Spieler, der eine Mannschaft zusammenhält und Mitspieler besser macht“, sagt Sasa Djordjevic. Deshalb hat er dem Macvan auch, ungewöhnlich für einen Neuzugang, zum Co-Kapitän neben Anton Gavel gekürt.
Natürlich ist der Bayern- und Nationalcoach selbst ein gutes Argument gewesen um Spielern wie ihm München schmackhaft zu machen. Mehr noch vielleicht bei Stefan Jovic. Der Spielmacher hat nach feinen Auftritten in der Euroleague auch andernorts Begehrlichkeiten geweckt. Mit dem FC Barcelona und Olympiakos Piräus wurde er unter anderem in Verbindung gebracht. Doch es wurde München. Und dass der Mann, der mit Maik Zirbes, seinem alten Kumpel aus Belgrader Tagen Englisch lernt, seine erste Auslandsstation ausgerechnet in einem Verein antritt, in dem Serbisch fast Amtssprache ist, ist natürlich kein Zufall.
In den Auftaktspielen in Gießen (87:53) und gegen Braunschweig (111:53) fiel Jovics Fehlen wenig ins Gewicht. Doch die Tage werden kommen, an denen die Bayern seine Ideen gut brauchen können werden. Vielleicht in der kommenden Woche schon. Binnen von fünf Tagen müssen die Münchner da in Istanbul (Mittwoch), gegen Würzburg (Freitag) und Oldenburg (Sonntag) ran. Schönen Gruß von Macvan an den Landsmann: „Wir erwarten von ihm viele Assists.“ Aber das ist Jovic ja schon lange gewöhnt.