Nürnberg/München – Vor wenigen Tagen hat der Münchner Eishockey-Profi Frank Mauer dem Rivalen aus Nürnberg ein Kompliment gemacht. „Die wollen mitspielen“, hat Mauer gesagt – und dann angefügt: „Das macht auch uns mehr Spaß.“
Dass die Spieler des EHC München in solchen Partien, in denen die Gegner mitspielen, nicht nur besonders große Freude an ihrem Sport haben, sondern eben auch besonders gute Resultate vorweisen, haben sie in den ersten Saisonwochen schon mehrfach vorgeführt. Die finnische Spitzenmannschaft IFK Helsinki besiegten sie in der Champions Hockey League (CHL) gleich zweimal, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) behielten sie gegen Berlin und Köln die Oberhand. Die wenigen wichtigen Spiele der noch jungen Saison bewältigten die Münchner in Meistermanier.
Am Freitagabend endete dieser Trend aber. Die Nürnberg Ice Tigers bremsten den EHC mit einem 2:1 (0:0, 1:1: 0:0)-Sieg nach Verlängerung aus. Nun ist es zunächst schwer zu beurteilen, was dieser Ausgang über die Frühform des Meisters verrät – zumal der Nürnberger Siegtreffer erst in der Verlängerung und zudem in Münchner Unterzahl fiel.
Eigentlich hatte der EHC an diesem Abend wenig Grund zur Kritik aufkommen lassen. Doch die Ice Tigers, die die DEL-Tabelle weiterhin anführen, demonstrierten in ihrem eigenen Stadion, warum sie den Titelverteidiger in dieser Saison ernsthaft herausfordern können. Die neutrale Zone zwischen den beiden Angriffsdritteln, wo die Offensivspielzüge mit Tempo eingeleitet werden sollen, verteidigte Nürnberg geschickt. Oft klauten sie den technisch hochbegabten EHC-Stürmern den Puck in diesem Bereich. „Es ist sehr schwer, durch die neutrale Zone zu kommen“, sagte Dominik Kahun nach dem ersten Drittel bei Telekomsport. Weil der EHC diese Abwehrstrategie aber ebenfalls beherrscht, sah man die Angreifer beider Vereine ihre Vorstöße immer wieder vorzeitig abbrechen. Nur selten durften sie aus aussichtsreicher Position aufs Tor schießen. Die Defensive definierte das DEL-Spitzentreffen, das letztlich in wenigen Spielsituationen gipfelte: Einem flotten Konter, wie ihn der Nürnberger Petr Pohl zum Führungstreffer nutzte (28.). Einem Powerplay, das der Kanadier Jason Jaffray 38 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels zum Ausgleich nutzte. Und noch einem Überzahlspiel, mit dem Philippe Dupuis die Partie vor dem Penaltyschießen beendete (65.). „Die Strafen haben dazu beigetragen, dass das Spiel offener wurde“, sagte Nürnbergs Center Patrick Buzas. Fast hätte eine solche Strafe in der finalen Phase des dritten Abschnitts Nürnberg ein Erfolgserlebnis vermasselt. Doch Torwart Niklas Treutle, der von 2013 bis 2015 in München spielte, vollführte in dieser Unterzahlphase gleich mehrere Glanzparaden.
Wie die Niederlage in Nürnberg nun wirklich zu bewerten ist, könnte sich bereits morgen herausstellen. Dann erwartet der EHC die Adler Mannheim (Spielbeginn 14 Uhr). Frank Mauer dürfte das freuen. Das Kompliment, das er vor wenigen Tagen verteilte, galt nämlich nicht nur an Nürnberg, sondern auch drei weitere Vereinen aus der DEL: Köln, Berlin – und eben auch Mannheim. Christopher meltzer