Die Erkenntnis, dass der Fußball sich verändert hat, ist ja kein Privileg von uns Älteren. Selbst junge Menschen ahnen inzwischen, dass Geld eben doch Tore schießt. Was für sie in etwa ein ähnlicher Kulturschock sein dürfte wie für uns damals die Einsicht, dass es keine elf Freunde braucht, um ein Spiel zu gewinnen. Sondern Investoren, wie wir heute wissen. Oder TV-Giganten, die bereit sind, Milliarden für die Übertragungsrechte zu bezahlen. Und damit gigantische Summen in Vereine pumpen, die dann eitle Stars holen und einigermaßen bei Laune halten können.
Was die dann mit derart viel Geld anstellen, hat kürzlich Mesut Özil einem Lifestyle-Portal mit durchaus interessanten Einblicken in sein Luxusleben gezeigt. Seine Villa in London darf man sich demnach ähnlich pompös vorstellen wie die damals höchst umstrittene Residenz des Tebartz van Elst, der vor einigen Jahren als „Protz-Bischof“ für Aufsehen weit über sein Bistum Limburg hinaus gesorgt hat. Zwar haben wir nicht erfahren, ob Özil in einer Wanne für 15 000 Euro badet oder lieber in Champagner, zumindest wissen wir nun, dass sein Lieblingsraum das eigene Zimmer für Playstation und TV ist, wo er sich gerne auf die riesige weiße Couch lümmelt, dass er eine umfangreiche Schuhsammlung in beleuchteten Vitrinen besitzt, besonders stolz auf seine Louis-Vuittons ist, auf die Oberteile von Balmain und die Gürtel von Hermès.
Das Lieblingsauto seines Hundes Balboa ist übrigens der silberne Mercedes S 63 AMG Coupé mit roter Lederausstattung, kostet schlappe 170 000 Euro, in der Standardausführung. Zweitwagen ist ein dunkelgrüner Mercedes AMG G63 4MATIC, ab 145 000 Euro zu haben. Da wäre wohl selbst der gute Tebartz in seinem Phaeton vor Neid erblasst, vielleicht hätte er halt in seiner Jugend doch mehr Zeit fürs Kicken als fürs Beten verwenden sollen.
Genutzt hätte es wohl auch nicht viel, Tebartz van Elst gehört einer anderen Generation an und hätte als emeritierter Fußballer sicher nicht in einer von Philippe Starck entworfenen Wanne gebadet, sondern seine Seifen eher bei Aldi gekauft und sich, wie einst der grandiose „Stan“ Libuda, mit den kargen Einkünften begnügen müssen, die ein bescheidener Tabakladen etwa in der Kurt-Schumacher-Straße auf Schalke abwirft. Übrigens hatte ja auch Libuda etwas mit dem Allmächtigen zu tun, er galt ja als der Einzige, der dank seiner unglaublichen Dribbelkünste sogar an Gott vorbeigekommen wäre.
Das Schicksal eines Libuda, mit 53 verarmt gestorben, wird einen Özil nicht treffen, zumindest um finanzielle Sicherheit muss sich der gebürtige Gelsenkirchener wenig Sorgen machen. Er muss auch nicht darauf hoffen, nach seiner Rückkehr in die Heimat (falls er die anstreben sollte) diesen Tabakladen übernehmen zu dürfen, den vor Libuda schon der legendäre Ernst Kuzorra geführt hat. Sondern sich Gedanken machen, was er nun anfängt mit seinem Leben und dem vielen Geld.
Die Gnade der späten Geburt, könnte man nun sagen. Andererseits wird Özil wohl nie diese Verehrung erfahren, die etwa einem Uwe Seeler noch heute zuteil wird. „Uns Uwe“ wird vor allem auch deshalb geliebt, weil er trotz seines Ruhms immer ein bescheidener Hamburger Junge geblieben ist. 1961 hätte er für damals unfassbare, heute absolut lächerliche 1,2 Millionen D-Mark (!) zu Inter Mailand wechseln können, hat aber lieber das nicht ganz so verlockende Angebot von Armin Dassler angenommen, im Falle eines Verbleibs beim HSV die adidas-Vertretung für Norddeutschland übernehmen zu können.
Auch daran lässt sich gut erkennen, wie sehr sich der Fußball verändert hat. Ob zum Positiven oder zum Negativen, sollte jeder für sich entscheiden.
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