München Die „Sauerland-Promotion“, die vor 20 Jahren vom Boom um Henry Maske profitierte, tut gerne so, als wäre sie der durch und durch seriöse und edle Boxstall – tatsächlich genießt die Berliner Firma es, wenn es richtig krawallig wird. „Rumble in Stuttgart: Schläge, Streit und böses Blut“, titelte die Sauerland-Presseabteilung diese Woche, um ihre Veranstaltung schön anzuheizen.
Derzeit läuft das neue Format der World Boxing Super Series, es geht um die „Muhammad-Ali-Trophy“, im Viertelfinale treffen in der Stuttgarter Schleyer-Halle Avni Yildirim und Chris Eubank jr. aufeinander. Beide zählen mit zum Besten, was das Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm) zu bieten hat. Und beide bringen eine hitzige Entourage mit.
Yildirim boxte im November vorigen Jahres als Gast auf einer Veranstaltung des Dachauer Promoters Alexander Petkovic in Unterschleißheim und zerlegte eindrucksvoll seinen Gegner Hippolyte Schiller, zwei weitere Siege des 26-Jährigen folgten. Sein Manager und Trainer ist der umtriebige wie umstrittene Ahmet Öner, der einige Zeit aus juristischen Gründen den Aufenthalt in Deutschland mied. Öner hat nun als zweiten Coach die Legende Uli Wegner dazugeholt.
Nun zum „Rumble in Stuttgart“. Die obligatorische Pressekonferenz zu Beginn der Kampfwoche eskalierte, Öner, selbst mal ein guter Boxer, geriet mit dem Senior von Chris Eubank jr. und dem offensichtlich recht provozierenden Konditionstrainer des Briten aneinander. Öner: „Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er mich anlachte und unflätige Gesten in meine Richtung machte. Da hat es mir gereicht und ich wollte ihn nur noch in Grund und Boden rammen.“ Sicherheitspersonal ging dazwischen, und der Eubank-Clan (der Vater war selbst Weltmeister) wechselte das Hotel – im selben wie Öner/Yildirim wollte man nicht wohnen bleiben.
Für den Kampfabend sollen die Sicherheitsvorkehrungen in der Halle verstärkt werden. Wegen Yildirim kommen viele Leute, schon beim Training wurde er von 500 Türken angefeuert. Das wird feurig in der Schleyer-Halle, in die in den 90er-Jahren schon beim Schwergewichtskampf zwischen Axel Schulz und Francois Botha Chaos erlebt hatte: Nach einem als falsch empfundenen Urteil gegen den deutschen Star flogen Bierbecher und Sektgläser in den Ring.
Im Vorprogramm wird ein Münchner auftreten: Emre Cukur. Auch er ist Supermittelgewichtler, gegen den Georgier Soso Abdulaze steht er zum achten Mal als Profi im Ring – und er findet: „Das spricht für unseren Namen, dass wir zu einer solchen Veranstaltung eingeladen wurden.“ Zum „Wir“ gehört Vater Levent Cukur, einer der bekanntesten Münchner Boxer als Amateur (1860) und Profi, der heute selbst Veranstalter ist. Er hat für seinen Sohn einen klaren Plan: „Er soll mich mal übertrumpfen.“ Cukur senior war als Leichtgewichtler Weltmeister – allerdings in einem der kleineren Weltverbände.
Emre Cukurs möglicher nächster Gegner kann am Samstag in Stuttgart besichtigt werden: Leon Bauer, Juniorenweltmeister aus dem Sauerland-Stall, gehört ebenfalls zum Programm. Levent Cukur hat sich vorgenommen: „Wir werden ihn an diesem Abend erneut herausfordern.“ Günter Klein