Belfast – Reinhard Grindel knickte schnell ein und kapitulierte – das Thema in Belfast war trotz der geglückten WM-Qualifikation der deutschen Nationalelf eben auch das anstehende Comeback von Jupp Heynckes beim FC Bayern. Zunächst sträubte sich der DFB-Präsident noch, sich zu Münchner Verhältnissen zu äußern, doch als er gefragt wurde, was er sagen würde, wenn der Rekordmeister seine Finger am Ende der Saison nach dem Bundestrainer Joachim Löw ausstrecken würde, meinte er: „Dann würde ich sagen, was alle Präsidenten sagen: Dass Jogi Löw bei uns noch einen Vertrag hat, und zwar einen langen.“ Bis 2020.
Ob sich Löw nach der WM 2018 mit dem WM-Titel oder bei einem Scheitern unfreiwillig vom DFB verabschieden könnte, ist spekulativ. Doch auszuschließen ist in diesen Tagen gar nichts mehr, zumal der Bundestrainer in Belfast der These seines langjährigen Weggefährten Jürgen Klinsmann widersprochen hatte, der 57-Jährige werde beim DFB in Rente gehen. Noch einmal bei einem Verein zu arbeiten, könne er sich gut vorstellen, hatte er gemeint. Und er fühle sich lange nicht reif für den Ruhestand.
Da muss man ja auch nur Heynckes anschauen, der mit 72 Jahren vor seiner Rückkehr steht. Löw stufte ein viertes Engagement seines Kollegen in München als sinnvoll ein. „Er ist ein unglaublich erfahrener Trainer, der schon große Erfolge hatte und eine tolle Ausstrahlung auf die Mannschaft hat“, sagte er. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff pflichtete ihm bei: „Er ist eine herausragende Trainerpersönlichkeit. Das wäre sicherlich eine Topwahl. In der Unruhe, in der sich Bayern befindet, ist so ein Mann dienlich.“ Ex-Bundestrainer Berti Vogts ist skeptisch – was die Perspektiven in dieser Saison angeht: „Jupp kann mit dieser Mannschaft, die so völlig falsch zusammengestellt und zum Teil auch überaltert ist, maximal deutscher Meister werden.“
Die Bayern-Spieler im DFB-Tross verhehlten ihre Vorfreude auf den alten Bekannten kein bisschen. Allen voran Jerome Boateng schwärmte von dem Coach, mit dem er 2013 das Triple holte. Seine Augen funkelten mit seiner Goldrandbrille um die Wette. Er habe „das Glück gehabt, unter ihm trainieren zu dürfen“, sagte er, „er hat alles, was ein großer Trainer braucht. Wenn es so kommt, freuen wir uns alle riesig.“ Heynckes würde „viel fordern, aber auch viel geben“, erklärte der Innenverteidiger, und in seinem Lob schwang auch Kritik an Carlo Ancelotti mit. Der Italiener hat nur mit auserwählten Spielern gesprochen, Heynckes hingegen habe als „unglaublicher Mensch“ ein „superfeines Fingerspitzengefühl“. Und: „Er kennt den Verein, er kann auch mit den Oberen umgehen.“ Beim FC Bayern ist die Menschenführung bekanntlich mit Blick auf die Mannschaft und die Bosse ein wichtiges Thema.
Mats Hummels meinte, er kenne Heynckes „nur vom Hörensagen, aber was man hört, ist sehr gut“. Bisher habe er ja nur als Dortmunder gegen ihn gearbeitet, sagte er scherzhaft. „Wenn einer das Triple holt, muss er schon verdammt gute Arbeit gemacht haben.“