Zwillinge im Zentrum

von Redaktion

Sebastian Rudy agiert beim Sieg in Nordirland wie ein Bruder im Geiste von Toni Kroos

Belfast – Es gab ja schon Zwillinge beim DFB-Team. Lars und Sven Bender sind aber inzwischen vom Radar verschwunden, doch für Fußballromantiker gab es in Belfast eine gute Nachricht. Es sah fast so aus, als würden im deutschen Zentrum wieder Zwillinge wirken, was ja eine schöne Nachricht wäre angesichts der fortschreitenden Kommerzialisierung, die Bilderbuchgeschichten wie vom aufsteigenden Brüderpaar kaum noch möglich macht. Toni Kroos und Sebastian Rudy sind zwar optisch nicht deckungsgleich, auch würden sie einem Test ihrer verwandtschaftlichen Bande nicht standhalten. Aber als zwei Brüder im Geiste gingen sie allemal durch.

Es war ein gelungenes Zusammenwirken von neuer und alter Welt. Kroos dirigiert die DFB-Auswahl schon einige Jahre, unter anderem half er bei der Navigation zum WM-Titel. Rudy fand erst spät seine Anerkennung in der Zentrale. Zuvor durfte er, wenn überhaupt, meist nur auf der Außenbahn mitmachen, doch im Sommer koordinierte er nun das Aufbauspiel der Nationalmannschaft so lange so gut, bis man den Confed Cup gewann. Eine Art Kroos II – oder eben eine zwillingshafte Zweitausgabe.

„Es sind zwei super Fußballer, technisch stark, super ausgebildet“, lobte Mats Hummels, „und wenn Sebastian die Dinger auch noch so reinhaut wie heute, kann sich keiner beschweren.“ Der Münchner hatte das 1:0 mit sattem Schuss vom Sechzehner erzielt. „Die Iren standen gut, aber wir hatten immer eine Lösung“, sagte Rudy, der so schnörkellos spricht wie seine Pässe aus dem Fußgelenk kommen.

Die unaufgeregte Art des Münchners hat ihn lange zu einem idealen Ergänzungsspieler gemacht, und auch jetzt muss man erst sehen, wie es mit ihm weitergeht, wenn sich Ilkay Gündogan, Sami Khedira und Julian Weigl wieder gesund melden. Dennoch macht der 27-Jährige nun schon seit vielen Monaten verdammt viel richtig. Vom Radar verschwinden wie die Benders wird er bis zur WM im nächsten Sommer in Russland mit Sicherheit nicht – obwohl er kein leiblicher Kroos-Zwilling ist.  awe

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