Basketball

von Redaktion

78:72 – FC Bayern siegt nach heißem Kampf in Göttingen

Von Fabian Riese

Göttingen – In den vergangenen Tagen hatte es ja reichlich Lob für die Basketballer des FC Bayern gegeben. Wolfgang Heyder etwa, der frühere Frontmann beim Rivalen aus Bamberg, verbeugte sich: der neue Kader, das sei schon ein dickes Brett, das die Münchner da gebohrt haben. Die einzige Frage war: Wie wird sich das Brett wohl schlagen wenn die Gegenwehr stärker wird als es den schwer demolierten Auftaktgegnern aus Gießen und Braunschweig gelungen war.

Nun ja, eine erste Antwort haben die Bayern früher bekommen, als man das vielleicht erwarten konnte. Bei der BG Göttingen machten sie erst im Schlussspurt ihren 78:72 (42:34)-Erfolg klar. Und die Botschaft war deutlich: Wenn die Münchner nicht mit der Energie der ersten Partien auftreten, dann können sie auch gegen die Mittelklasse der Bundesliga in Bedrängnis geraten.

Trainer Sasa Djordjevic war deshalb mit dem dritten Saisonauftritt seiner Profis auch nur bedingt zufrieden. „Ich bin glücklich mit dem Ergebnis, aber nicht mit der Art und Weise“, murrte der Bayern-Coach, „wir haben den Fokus verloren, den wir in der Startphase hatten. Die Spieler von der Bank haben nicht den Level gehabt, das ich mir wünsche.“ Die zwischenzeitlichen Sorgen um Devin Booker werden ihr Übriges getan haben. Der zum Auftakt so unwiderstehliche US-Center knickte in der ersten Halbzeit um und konnte nicht mehr ins Geschehen eingreifen. Immerhin: Tags darauf gab es Entwarnung, Bookers Einsatz im kniffligen Eurocup-Auftaktspiel am kommenden Mittwoch (19.00 Uhr) bei Galatasaray Istanbul steht wohl nichts im Wege.

Vielleicht hat so manch einer im Bayerntross dieses Spiel ja auch schon im Hinterkopf gehabt. Spätestens nach dem schwungvollen 20:4-Start in der Göttinger Arena, als alles auf einen ähnlichen Spaziergang hindeutete wie in den ersten Partien. Jedenfalls ließen die Bayern Göttingen vor allem in der bis dahin so zupackenden Defensive vom Haken. Und den Umstand, dass ein Underdog verbissen kämpft, werden die Münchner in dieser Saison gewiss noch öfter erleben. Knifflig wird es, wenn dann auch noch ein Spieler heiß läuft wie Brion Rush. Alleine bis zur Pause schubste der US-Guard sechs Dreierversuche durch die Reise. 22 von 34 Göttinger Punkten zur Pause waren seine, am Ende hatte er 35 zu Buche stehen. In der zweiten Halbzeit mischte dann auch noch Regisseur Michael Stockton (15 Punkte) mit, den zumindest Bayern-Dauerbrenner Nihad Djedovic noch aus den hitzigen Playoffs 2014 und 2015 gegen Ludwigsburg kennt. Genau vor so etwas hatte Djordjevic, der erstmals auch dem zuletzt verletzten Regisseur Stefan Jovic Minuten im Bayern-Trikot gönnen konnte, im Vorfeld gewarnt: „Sie haben gute Schützen von draußen.“

Doch eine wesentliche Qualität eines Spitzenteams ist auch, ob es zulegen kann, wenn es in Bedrängnis gerät. Und das taten die Bayern, als Göttingen im Schlussviertel zeitweilig plötzlich gleichzog (63:63). Vor allem Reggie Redding erinnerte sich daran, dass man ihn in der vergangenen Saison als Anführer verpflichtet hatte. Der amerikanische Routinier angelte sich am eigenen Korb Bälle, steuerte vorne die vielleicht entscheidenden Nadelstiche gegen die am Limit spielenden Gastgeber bei. „Das ist mein Job“, sagte er, „wenn das Spiel unruhig ist, dann möchte ich Ruhe reinbringen und dem Team auf diese Weise helfen.“

Wobei den Deckel ein Mann draufsetzte, der bislang noch merklich unter Anpassungsproblem bei den Bayern leidet. Jared Cunningham wischte mit einem Dreier und gleich vier versenkten Freiwürfen alle Zweifel beiseite.

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