Pierre-Emerick Aubameyang ist nicht dabei. Arjen Robben hat alle Hoffnungen aufgegeben. Gianluigi Buffon zittert. Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Arturo Vidal könnten die WM 2018 verpassen. Die deutsche Nationalelf hingegen hat sich ihre Starterlaubnis für Russland schnellstmöglich gesichert. Es ist also alles im Lot mit Blick aus schwarz-rot-goldener Brille? Nein, das wäre nur die halbe Wahrheit.
Während die DFB-Auswahl ihre Aufgaben vorbildlich erledigt, sind die jüngsten Erträge der Bundesligisten auf internationaler Bühne erbärmlich. In den zwölf Europacup-Spielen der Saison 2017/18 erwirtschafteten der FC Bayern, Dortmund, Leipzig, Hoffenheim, Hertha und Köln lausige vier Zähler. Die Fünfjahreswertung der UEFA führt die oberste deutsche Spielklasse in dieser Saison bloß auf Rang 27 – hinter Zypern, Israel, Österreich (!), Kasachstan, sogar hinter dem gestrigen DFB-Gegner Aserbaidschan, das gestern 5:1 abgefieselt wurde.
DFL-Chef Christian Seifert hat den deutschen Vereinen nun zurecht ins Gewissen geredet, die Europa League gefälligst ernstzunehmen. Doch allein mahnende Worte werden nicht reichen, um das Abreißen im internationalen Wettstreit aufzuhalten. Der deutsche Fußball ist mehr denn je gefordert, Strategien zu entwickeln, um mit den fremdfinanzierten Konkurrenten aus England, Frankreich und Italien sowie Spaniens Top-Vereinen mithalten zu können. Guter Rat ist da teuer, im wahrsten Sinne des Wortes, und Reinhard Grindel hat sicherlich nicht ohne Kalkül noch gleich nach dem Sieg in Belfast in den Katakomben des Windsor Parks angestoßen, sich der Kommerzialisierung nicht zu sehr zu verschließen. Um „diese wunderbaren Nationalspieler weiter bei uns im Land zu sehen“. Der DFB-Präsident lässt solche Sätze nicht einfach so fallen.
Obwohl sich die deutsche Nationalmannschaft bereits für die WM 2018 qualifiziert hat, souverän wie kaum eine andere Nation, sollte man sich also nicht zu sehr freuen. Mancher Star verpasst das Turnier im kommenden Sommer, einige Top-Spieler bangen noch um ihre Russland-Tickets – aber der hiesige Fußball würde sich selbst in die Tasche lügen, wenn er sich bloß genüsslich der Schadenfreude hingibt.