Berlin – Die Chance auf ihre erste WM-Teilnahme lässt Islands Fußballer träumen. „Es gibt nur noch ein Spiel, natürlich denkt man jetzt sofort an die Weltmeisterschaft“, sagte Stürmer Jón Dadi Bödvarsson nach dem überraschend deutlichen 3:0 (2:0) in der Türkei. Im vergangenen Jahr mischten die Nordeuropäer schon die EM auf und stürmten sensationell bis ins Viertelfinale. Tausende Fans hatten mit ihren eingängigen „Huh“-Rufen und Choreografien in den Stadien in Frankreich für Gänsehautmomente gesorgt – das könnte 2018 in Russland erneut passieren.
Die Isländer führen Gruppe I vor dem abschließenden Heimspiel gegen Außenseiter Kosovo an. Die WM-Qualifikation scheint für das Team von Trainer Heimir Hallgrímsson angesichts dieser Ausgangslage nur noch Formsache. Der Kosovo konnte bislang noch keines seiner neun Spiele gewinnen, hat gerade einen Punkt auf dem Konto. Island hat schon deren 19, liegt nach überzeugenden Vorstellungen zwei Zähler vor Kroatien und der Ukraine. „Das ist alles sehr aufregend. Es ist wichtig, dass wir uns jetzt möglichst gut erholen“, sagte Bödvarsson.
Noch in der Nacht flogen die Isländer aus dem türkischen Eskisehir zurück auf ihre Vulkaninsel im Atlantik. Dort dürfte es wie bei der Euro 2016 Jubelbilder vor riesigen Leinwänden geben, sollte heute Abend das Ticket nach Russland endgültig gelöst werden. „Alles hängt jetzt vom letzten Spiel ab. Wir glauben daran“, sagte Mittelfeldspieler Kári Arnason.
Die Liste der Gratulanten war lang – angeführt wurde sie von Islands Präsident Gudni Johannesson. „Ein großartiger Sieg für unsere Jungs. Noch ist nichts entschieden, aber wir haben unser Schicksal in den eigenen Händen“, schrieb Johannesson bei Facebook.
Das „Morgunbladid“ sah gegen die Türkei „eines von Islands besten Spielen überhaupt“. Für „Fréttabladid“ ist das kleine Land nach den Treffern von Johann Gudmundsson (32.), Birkir Bjarnason (39.) und Kari Arnason (49.) „ganz nah dran“ an der WM. Während die Türkei (79,5 Mio. Einwohner) bei der Endrunde erneut fehlen wird, steht Island (334 000 Einwohner) kurz vor der nächsten Überraschung. Der bislang größte Erfolg war der spektakuläre Sieg im EM-Achtelfinale gegen England (2:1). thomas wolfer