München – Jerome Flaake rauschte auf Mannheims Torwart Dennis Endras zu. Der Puck tänzelte um den Schläger des Eishockeystürmers, den nur noch der Gedanken beschäftigte, mit welcher Schusstechnik er die Scheibe an Endras vorbeibringen könnte. Das Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Torwart gilt als Qualitätstest für Stürmer – und Flaake, 27, schneidet in diesem überdurchschnittlich ab, was die 166 Tore, die er in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schon angesammelt hat, ziemlich gut belegen.
Gestern fiel Flaake durch die Prüfung durch. Er verzögerte den Schuss, versuchte, Endras zu irritieren, bevor er den Puck schließlich abfeuerte. Der Torhüter parierte, der Stürmer ärgerte sich.
Am Ende dieses Eishockeynachmittags in der Olympia-Eishalle durfte Flaake trotzdem jubeln. Sein Klub, der EHC München, besiegte die Adler Mannheim mit 4:2 (1:0, 2:2, 1:0). Nur hätte Flaake diesem Ergebnis gerne eine persönliche Note hinzugefügt. Nachdem er die ersten vier Ligaspiele verletzt verpasst hatte, blieb er nun auch im siebten Anlauf der Saison ohne DEL-Treffer. „Man beschäftigt sich damit, denkt viel nach“, gab Flaake zu. Und ein Treffer des deutschen Stürmers hätte diesem Spiel eine hübsche Pointe verliehen, war es doch Flaakes 500. Einsatz in der DEL.
Vor einem Jahr schloss sich Flaake dem EHC München an. Dem Umzug aus Hamburg folgte auch ein Rollentausch. Dass er in München nur in der vierten Reihe aufgestellt wird, verrät viel über die Kaderqualität des Meisters. Oder wie Flaake es ausdrückt: „Es ist schon krass, was wir für Reihen haben.“
An diesem Wochenende führten die EHC-Reihen in den DEL-Spitzentreffen mit Nürnberg (1:2-Overtime-Niederlage am Freitag) und Mannheim vor, wie gut sie schon wieder zusammengefunden haben. Das Spielniveau war für ein frühes Oktober-Wochenende, wo neue taktische Konzepte oft noch in der Testphase stecken, beachtlich. Das drückte sich in den beiden Begegnungen jedoch auf ganz eigene Art aus.
Am Freitag definierte die Defensive die Partie. Im Olympia-Eisstadion taten sich gestern vor 4200 Zuschauern dann die Offensivreihen hervor. Immer wieder drängten die Spieler mit hoher Geschwindigkeit in die Angriffsdrittel. Und nachdem EHC-Kapitän Michael Wolf in Überzahl getroffen hatte (8.), verlagerte sich das Spiel zunehmend vor das Mannheimer Tor, was Konrad Abeltshauser (22.), Brooks Macek (27.) und Jason Jaffray (48.) mit weiteren Toren belohnten.
„In den ersten 30 Minuten haben wir sehr gutes Eishockey gespielt“, sagt Flaake. EHC-Trainer Jackson nannte diesen Kurzausschnitt „die beste Leistung der Saison“. Selbst als Mannheim mit zwei schnellen Toren von Chad Kolarik (30.) und Garrett Festerling (33.) verkürzte, behielt der EHC die Kontrolle. „Ich habe nicht viel zu sagen,“ verkündete daher Mannheims verärgerter Trainer Sean Simpson auf der Pressekonferenz und ließ dann tatsächlich nur einen Satz folgen: „München war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen.“ Dann zog er grummelnd davon.
Jerome Flaake verließ das Stadion dagegen mit einem Grinsen – aber auch mit einem Wunsch: „Ich würde mich freuen, demnächst mal wieder zu treffen – weil ich das auch kann.“