Mit Feuer zum Weltrekord

von Redaktion

Die deutsche Nationalelf krönt ihre starke WM-Qualifikation mit einem 5:1 über Aserbaidschan

Von Andreas Werner

Kaiserslautern – Es gibt kuriose Zufälle im Leben. Aserbaidschan hat in etwa dieselben Maße wie Österreich, anders als die Alpenrepublik ist es jedoch in stolze neun verschiedene Klimazonen unterteilt; von der Wüste bis alpin ist alles drin, und auf die Spitze treibt das Ganze der Berg Yanar Dagh. Dort strömt Erdgas aus, das stets in Flammen steht. Der Berg brennt immer, auch bei Regen und Schnee. Was für ein kurioser Zufall also, dass das Duell der deutschen Nationalelf mit Aserbaidschan zum Abschluss der WM-Qualifikation am Betzenberg ausgetragen wurde. Der „Betze“ brennt ja auch oft, behauptet die Fanszene.

Gestern fehlte das Feuer auch nur zu Beginn. Sichtlich viele freie Plätze auf den Stadiontribünen zeigten wieder einmal, dass das Interesse an Partien mit geringer VIP-Quote die Massen nicht mehr ziehen. Das 5:1 gestern sahen nur 34 600, dabei hatte der DFB die Partie ja mit einer historischen Leistung bewerben können; zehn Siege in zehn WM-Qualifikationsspielen gelangen der deutschen Elf noch nie. Inklusive Torverhältnis konnte man sogar den Weltrekord in der WM-Qualifikation feiern; die Spanier schafften vor dem Turnier 2010 zwar auch zehn Siege, sie trafen aber seltener.

Löw vertraute den Sturm in die Geschichtsbücher einer B-Elf an; nur vier Mann blieben vom 3:1 am Donnerstag in Belfast in der Startelf übrig. Die Formation wurde im Verlauf dann auch noch zügig dezimiert; Niklas Süle (20.) und Shkodran Mustafi (36.) verließen das Feld verletzt und wurden durch Antonio Rüdiger beziehungsweise Matthias Ginter ersetzt. Es dauerte bis in die zweite Halbzeit, ehe es gegen den krassen Außenseiter tatsächlich nach Plan lief.

Das Feuer wurde nach dem Seitenwechsel entfacht, zur Pause hatte man sich noch mit einem 1:1 verabschiedet. Leon Goretzka hatte die DFB-Elf mit einem Hackentreffer nach sieben Minuten in Führung gebracht, doch Ramil Sheydaev sorgte in der 34. Minute für einen zwischenzeitlichen Dämpfer.

Am Sieg gab es jedoch im Verlauf minütlich weniger zu deuteln. Die weiteren Treffer zum standesgemäßen Kantersieg steuerten Sandro Wagner (54.), Rüdiger (64.), erneut Goretzka (66.) und Emre Can (80.) bei. Zusätzlich visierten Wagner und Lars Stindl Aluminium an, es bestand keine Frage, dass der Weltmeister seinen Weltrekord am Ende verdient eingefahren hatte. Ab der 70. Minute kamen dann auch die Ränge in Schwung, die Welle kreiste auf dem Betzenberg, während Löws Azubis den Ball immer munterer kreisen ließen.

Sie spielten sich im Laufe der Partie alle mehr und mehr frei und in den Vordergrund; Leroy Sane versuchte sich immer wieder in 1:1-Situationen und gab nie auf, auch wenn ihm die finale Pointe oft versagt blieb. Auch Julian Brandt deutete auf der rechten Seite immer wieder an, dass er in Zukunft eine größere Rolle einnehmen könnte. Löw konnte es sich in der Schlussphase locker leisten, seinen Kapitän Müller vom Platz zu nehmen. Er wusste, die Jungen würden es an diesem Abend schon richten.

Die Fans skandierten „Die Nummer 1 der Welt sind wir“, und natürlich fehlte auch der Schmähgesang auf den Nachbarn Niederlande nicht („ohne Holland fahren wir zur WM“). Trotz allem sollten die Deutschen gewarnt sein: Sie hatten keine schwere Gruppe zu bewältigen, der Weltrekord ließ sich verhältnismäßig leicht bewerkstelligen. Bei der WM werden ganz andere Kaliber warten – für den Gipfelsturm in Russland muss man sich erst noch trimmen. Die echten Feuertaufen stehen noch aus. Auch wenn es nicht auf brennende Bergspitzen gehen wird. Am Schluss schossen die Gäste noch einmal an den Pfosten, mit viel Wucht. Ein letzter Wachrüttler: Weltmeister, Weltrekord – aber bloß nicht abkühlen!

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