Cottbus – Warum ausgerechnet Jonathan Tah der Kapitän der deutschen U 21-Auswahl sei, wurde Stefan Kuntz nach dem zweiten Sieg im zweiten EM-Qualifikationsspiel von einem Kinderreporter gefragt. „Er ist ein großer Bär, vor dem jeder Respekt hat“, antwortete der Trainer dem kleinen Fragesteller.
Dass der Leverkusener Tah beim ungefährdeten 6:1-Sieg in Cottbus gegen Aserbaidschan in einer Szene eher wie ein tapsiger Bär wirkte, der den unnötigen Gegentreffer (86.) quasi selbst auflegte, war da fast schon vergessen. Denn es war – neben der mangelhaften Chancenauswertung – der einzige Schönheitsfleck einer ansonsten starken Vorstellung des neu formierten Europameisters.
„Insgesamt war das klasse. Wir haben viele Sachen besser gemacht als noch gegen Kosovo“, sagte Kuntz und zeigte sich zufrieden über die Leistungssteigerung im Vergleich zum 1:0-Auftaktsieg. Das dritte Qualifikationsspiel für die EM 2019 in Italien steigt heute in Drammen gegen Norwegen (19 Uhr). Auf ungewohntem Kunstrasen, gegen einen stärkeren Gegner. Doch Deutschland tritt mit dem Selbstvertrauen von 16 Siegen in Folge in der EM-Qualifikation an.
„Die Norweger werden auch versuchen, Fußball zu spielen. Wir müssen unseren Matchplan anpassen“, sagte Kuntz. Verzichten muss der Trainer weiter auf die verletzten Leistungsträger Nadiem Amiri (Hoffenheim) und Levin Öztunali (Mainz). Mahmoud Dahoud (Dortmund) leidet unter Zahnschmerzen, Lukas Klostermann (Leipzig) wird nach seiner Verletzungspause geschont.
Aber: Kuntz setzt darauf, dass dann halt erneut die Novizen für Furore sorgen. Der Hoffenheimer Philipp Ochs (8., 36.) und der Nürnberger Cedric Teuchert (83.) gefielen am Freitag nicht nur wegen ihrer Tore. „Dass ich gleich ran durfte und zwei Tore schieße, ist unbeschreiblich“, sagte Ochs. Kuntz lobte den quirligen Allrounder: „Philipp brennt wie eine Fackel.“
Auch Tah war heiß auf seine Premiere als U 21-Kapitän, die durch den leichtsinnigen Ballverlust vor dem Gegentor getrübt wurde. „Da hatte ich drei Gedanken auf einmal“, sagte Tah. Kuntz verzichtete auf Kritik an seinem „Bären“, der Trainer hofft auf einen Lerneffekt: „Er hat gemerkt: Junge, auch du musst bis zum Ende konzentriert sein!“ sid