Ein erster Dämpfer

von Redaktion

76:84 – zwei Tage nach der Eurocup-Gala in Istanbul verlieren die Bayern-Basketballer den BBL-Gipfel gegen Würzburg

Von Patrick Reichelt

München – In der ersten Viertelpause hat Uli Hoeneß wieder dieses Grinsen auf den Lippen gehabt. Der Präsident des FC Bayern hatte sich mal kurz aufs Feld begeben müssen, um das Bekleidungshaus Hirmer für drei weitere Jahre als Geldgeber seiner Basketballer zu begrüßen. Und die Macher des Sponsors sagten, was der Bayern-Patron hören wollte: „Wir machen das, weil wir wollen, dass der FC Bayern Deutscher Meister wird.“

Nun gut, der Weg dorthin ist noch weit, wie weit, das bekamen die Münchner am Freitag zu spüren. Gerade einmal zwei Tage nach der Eurocup-Gala bei Galatasaray Istanbul kassierten sie im Bundesliga-Spitzenspiel gegen die Würzburg Baskets eine völlig überraschende 76:84 (47:31)-Niederlage.

Im Vorfeld war ja genau der Punkt die wohl größte Münchner Sorge gewesen. Wie würde man den intensiven Auftritt am Bosporus inklusive Reise weggesteckt haben, nicht einmal 48 Stunden danach. Gästetrainer Dirk Bauermann freilich wollte sich da von vornherein nicht allzu viele Sorgen machen. „Der Münchner Kader ist so breit“, sagte er, „Nihad Djedovic und Alex King haben gar nicht gespielt. Die Bayern werden genauso ausgeruht sein wie in Istanbul.“

Der 59-Jährige sollte zunächst Recht behalten. Die Bayern legten ziemlich genau so los, wie sie in Europa aufgehört hatten. Machten am eigenen Korb jeden Würzburger Angriff zur Qual. Und vorne wirbelten sie die Franken, die zum Saisonstart immerhin Serienmeister Bamberg überrumpelt hatten, nach Kräften durcheinander. Nach gut drei Minuten stand schon ein 12:0 auf dem Videowürfel des mit 5912 Zuschauern wieder weitgehend gefüllten Audi Dome. Mitte des zweiten Viertels hatten die Bayern schon mehr als zwanzig Punkte zwischen sich und Würzburg gelegt (42:20).

Doch irgendwie entsannen sich die Franken, dass eine kompakte Defensive auch zu den Markenzeichen von Trainer-Altmeister Dirk Bauermann zählt. Das Team um den Abwehrspezialisten Clifford Hammons (11 Punkte) wurde giftiger, die Räume in der Zone enger. Und das zeigte Wirkung bei den Bayern. Vor allem nach der Pause.

Das zuvor so traumwandlerische Passspiel kam ins Stocken. Star-Regisseur Stefan Jovic, der in Istanbul noch elf Assists aufgelegt hatte, sammelte statt Vorlagen plötzlich Fouls. „Schatten-Spielmacher“ Reggie Redding ebenso, mit fünf Vergehen musste auch er vorzeitig vom Feld. Braydon Hobbs konnte nicht eingreifen, der US-Spielmacher saß als siebter Ausländer auf der Bank. Und Würzburg traf, und wie – mit einem 18:4-Lauf zogen die Franken im Eiltempo gleich (51:51). Und zu Beginn des Schlussviertels sogar rasant vorbei (60:70).

Die Partie war plötzlich ein Charaktertest. Und die Bayern, bei denen Devin Booker mit 16 Punkten am besten traf, nahmen den Kampf ja auch an. Doch es fehlten Kraft und Konzentration, um das Geschehen zu wenden. Feine Ironie, dass ein Mann auf Würzburger Seite zum Matchwinner wurde, den die Bayern vor zwei Jahren mangels Perspektive aussortiert hatten. Robin Benzing, der Nationalmannschafts-Kapitän sammelte alle seine 22 Punkte nach der Pause. Er war es auch, der von der Freiwurflinie den Deckel drauf machte.

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