Die neue Welt des TSV 1860

Bierofka legt vor

von Redaktion

Auch am Sonntag wird die neue 1860-Begeisterung überregional sichtbar sein. Sport1 überträgt das Regionalliga-Derby gegen Bayern II live – wie schon so viele Löwen-Spiele zuvor. Wenn sie nicht der BR überträgt. Oder es irgendwo einen Livestream gibt. Erkenntnis nach drei Monaten Regionalliga: 1860 zieht, auch nach dem Jahrhundertabsturz. Jedes Heimspiel ist ausverkauft, auswärts sorgt der Klub für Rekordkulissen (zuletzt 21 219 in Augsburg). Sogar Ruhe und Erfolg sind momentan vorhanden, dafür sorgt Daniel Bierofka, der die Löwen im Sommer eigenhändig aus dem Sumpf gezogen hat.

Wenn alles glatt läuft, ist 1860 am Sonntag Herbstmeister – mit Zahlen, die schon jetzt imposant sind. 40 Tore geschossen (die meisten), nur 12 kassiert (die wenigsten), 13 Mal in Serie waren die Löwen unbesiegt. Sie hatten den federleichten Sieg (5:0 gegen Illertissen) genauso im Repertoire wie den dreckigen (2:1 in Eichstätt). Ein vermeintlicher Rivale nach dem anderen knickte ein, erst Bayern II, dann Schweinfurt. Eine Wohltat für den treuen Anhang, der Jahre des Schreckens hinter sich hat.

Im Normalfall wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um ausnahmsweise mal frühzeitig Weichen zu stellen. Aber: 1860 wäre nicht 1860, wenn alles normal liefe. Denn so schön sich die Löwen eingerichtet haben in ihrer neuen Welt, so wenig plan- und kalkulierbar ist weiterhin die Zukunft des Vereins. Macht Hasan Ismaik weiter? Steigt Gerhard Mey ein? Wer baut den Schuldenberg ab und ein Stadion auf? Reicht das Geld diesmal für eine Drittligalizenz? Fragen über Fragen, aber keine Antworten. Der Gesellschafter mit dem Geld sitzt die Probleme aus (bequem auf seinem Berg aus Anteilen und Darlehen, die irgendwann fällig werden). Und der kleine Gesellschafter mit dem Auftrag der Basis (das Präsidium) scheint nicht recht weiterzukommen beim Versuch, eine Zukunftsvision zu entwerfen.

Am Ende läuft alles auf zwei zentrale Fragen heraus: Zwängen sich die Löwen durch das Nadelöhr namens Relegation? Und wenn ja, wer verwandelt dann Bierofkas Vorlage und löst das Nichtverhältnis 1860/Ismaik zum Guten auf? Es ist eine Rechnung mit zwei Unbekannten, die früher oder später für Kopfzerbrechen sorgen könnte.

Die Fans, so scheint es, verdrängen momentan, dass noch immer reichlich Unordnung herrscht hinter der aktuell schönen Fassade. Das ist ihr gutes Recht. Im Leben fährt nie schlecht, wer die Kunst beherrscht, den Augenblick zu genießen. Klar ist nur eins: Ein zweites Jahr Regionalliga wäre nur noch halb so lustig. Wo Buchbach liegt, wissen jetzt die meisten. Und dass Gänsehaut-Erlebnisse wie in Augsburg eine Ausnahme sind, an diesen Gedanken wollen sich langfristig die wenigsten gewöhnen.

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