Es gäbe Alternativen bei der „Wahl zum Weltfußballer des Jahres“. Yabes Roni, Miftahul Hamdi und Ngurah Nanak vom indonesischen Klub Bali United zum Beispiel. Das Trio stellte sich neulich bei einem Torjubel in den drei Betpositionen der jeweiligen Konfession auf: Roni ist Christ, Hamdi Moslem, Nanak Hindu. Sie wollten ein Zeichen setzen, dass man auch mit unterschiedlichem Glauben gemeinsame Ziele erreichen kann. Eine wunderbare Geste. Dass die drei Indonesier auf der Kandidatenliste der Wahl fehlten, schmälert ihre Aktion keineswegs.
Aber auch Cristiano Ronaldo muss sich nicht schämen, dass die Ehre gestern Abend mal wieder ihm zuteil geworden ist. So lobenswert die Aktion des balinesischen Trios war, geht es am Ende doch um die fußballerischen Fähigkeiten. Cristiano Ronaldo spaltet die Fans. Viele verachten sein pfauenhaftes Auftreten, seinen Habitus vor jedem Freistoß und seine Muskeln, die er gerne zeigt, wenn er jubelt. Die entscheidende Wahrheit ist jedoch, dass er einer der außergewöhnlichsten Fußballer der Geschichte ist. Er mag pfauenhaft auftreten – aber er ist die perfekte Maschine. Dass er zum fünften Mal als „Weltfußballer des Jahres“ ausgezeichnet wurde, erzürnt nur die Kleingeistigen unter den Fans.
„Er ist seit langer Zeit der Beste“, sagt Zinedine Zidane über Cristiano Ronaldo. Über den Trainer von Real Madrid sagten sie einst Ähnliches, doch selbst „Zizou“ kann mit seinem heutigen Schützling nicht mithalten. „CR7“ führte die „Königlichen“ zur Titelverteidigung in der Champions League, nie zuvor gelang das einem Team. In der vergangenen Königsklassensaison war er mit zwölf Treffern wieder mal der beste Torjäger des Wettbewerbs. Auch im Finale trug er sich zwei Mal in die Torschützenliste ein.
Einen Schatten wirft seine Steueraffäre, doch auch das floss nicht in die Beurteilung mit ein. Zurecht, denn auf dem Platz gibt es keine Zweifel an der Magie des Portugiesen. Dass andere im Moment des Jubels ein besseres Gespür für ihre Mitmenschen haben, ist dennoch mehr als eine Fußnote. Sondern ein Beleg, dass auch Menschen etwas bewirken können, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen.