FIFA-Auszeichnung für Celtic-Fans

Schön unverfänglich

von Redaktion

Nächste Woche ist der FC Bayern zu Gast in Glasgow, dann kann sich die Mannschaft ein eigenes Urteil bilden, ob ihr Sportdirektor mit seiner Einschätzung richtig liegt. Der in der Sportwelt weit herumgekommene Hasan Salihamidzic hat den Celtic Park als „lautestes Stadion“ kennengelernt, in dem er je spielte. Stimmungsvoll wird es in jedem Fall.

Die Fans des schottischen Serienmeisters sind am Montag von der FIFA geehrt worden. Grund war eine aufwändige Choreographie, mit der der 50. Jahrestag des Finalsieges im Europapokal der Landesmeister gewürdigt wurde. Die Bilder sind in der Tat eindrucksvoll. Sie zeigen die ganze Liebe und flirrende Intensität, die der Fußball in seinen besten Momenten entwickelt, und sprengen den Rahmen der normal-überdrehten Fußball-Begeisterung.

Wenn dem Ergebnis trotzdem ein Nachgeschmack anhaftet, dann wegen der Frage, wer sonst noch zur Wahl stand – und vor allem: wofür er stand. Die Fans von Borussia Dortmund gingen leer aus, nachdem sie Anhängern von AS Monaco eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten hatten. Das Champions League-Viertelfinale, der Bombenanschlag, die Spielverschiebung, all der knallharte Druck hinter den Kulissen und die BVB-Spieler als Leidtragende – es ist schwerere Kost als so eine fröhliche Choreographie.

Vielleicht tut man der FIFA (bzw. den Fans, die ihre Stimme abgaben) auch Unrecht. Vielleicht ging es nicht darum, ein politisch heikles Thema auszublenden, um den Fußball in seiner reinen Unschuld zu inszenieren. Andererseits sind solche Abstimmungen ja immer Inszenierungen. Auch in einem mäßigen Jahr landet ein Messi oder Ronaldo weit vorne, weil seine Strahlkraft schwächere Leistungen wettmacht.

Fußballgalas sind keine Veranstaltungen, die zum Nachdenken anregen. Das Beklatschen bunter Bilder ist leichter als das Grübeln über der Frage, ob im Moment der Todesangst ein Fußballspiel nicht Nebensache ist. Das Votum für die Celtic-Fans ist deshalb keine schlechte Wahl, nur eine unverfängliche. Sie bringt niemanden in Verlegenheit, sich mit den Schattenseiten des Sports befassen zu müssen.

Letztes Jahr haben die Dortmunder noch gewonnen. Sie hatten gemeinsam mit Liverpool-Fans die Hymne „You’ll never walk alone“ angestimmt. Solche Gesten liebt die FIFA. Solche Aufnahmen auch.

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