München – Martin, der Moderator mit Hipster-Hütchen, weiß, was er den Besuchern in der Alten Kongresshalle schuldig ist. „Abartig geil“ sei das Münchner Publikum, frohlockt er. Komplett gefüllt sind die Stuhlreihen, und die Reaktionen während der Präsentation des Skifilms „Same difference“ erinnern denn auch an die lautstarken Aufwallungen in Fußballstadien. Klar, es wird auch einiges geboten fürs Fanherz. Welches Gütesiegel der Moderator dem Streifen gibt? Richtig. „Abartig geil!“
Der Slang der alpinen Moderne gibt also den Ton an bei diesem Filmprojekt. Und so erklärt der Münchner Freerider Sven Kueenle, einer der Protagonisten und zugleich Produzent des Streifens, den Besuchern: „Es ist ziemlich cool vor so einer Crowd zu stehen.“ Die munter applaudierende Crowd, die Menge also, setzte sich zum Großteil ganz offensichtlich aus juvenilen Freestyle-Enthusiasten zusammen, leicht erkennbar an Käppis und Mützen. Auf der Theresienhöhe finden sich aber auch berühmte Traditionalisten des Wintersports ein: Die Ski-Legenden Rosi Mittermaier, Markus Wasmeier, Willi Bogner und Christian Neureuther, der frühere Skilangläufer Peter Schlickenrieder, der Skispringer Andreas Wellinger. Schließlich spielt in diesem „Film über Skifahrer“, so der Untertitel, auch der Torlauf-Held Felix Neureuther eine Rolle, seit einem Jahrzehnt Publikumsliebling der Alpin-Szene.
Ein Neureuther-Film ist es natürlich nicht geworden. Auch wenn der – an diesem Abend abwesende – junge Vater dem Movie den mit Abstand prominentesten Namen liefert. Der 33-Jährige spielt eher eine attraktive Nebenrolle und beschert dem Werk dabei einige schöne, nachdenkliche Momente. Das Kamerateam hatte ihn bei den Rennen in Kitzbühel und Schladming begleitet. Die Themen sind Druck, Erwartungen, Stress, das Diktat des Funktionierenmüssens. Felix-Fans, von denen es ja eine Menge gibt, werden diese Passagen sicher gefallen.
Doch im Kern ist „Same difference“ (frei übersetzt: „Ein und dasselbe“) eher ein Film für Freerider und Freestyler. Wobei es offenbar zu den Eigenheiten dieser Szene gehört, dass man absolut immun gegenüber hemmungsloser Werbung ist. Schon der Prolog des Abends mutet wie eine kaffeefahrt-ähnliche Veranstaltung an. In den ersten zwanzig Minuten werden Sponsoren-Geschenke verteilt, die – wie der Moderator versichert – natürlich „supercool“ sind. Die ersten Film-Minuten sind PR-Clips der Geldgeber vorbehalten, und natürlich ziert das weltbekannte rote Stier-Logo so ziemlich jeden Helm der Freeride-Artisten.
Durch die Brille des Traditionalisten gesehen, mutet das nicht unbedingt supercool an. Doch fast schon großes Sport-Kino wird geboten, wenn die Freerider und Freestyler in ihrem Element sind. Wenn sich also die Skiakrobaten zum Beispiel in Alaska von einem Helicopter auf einer Felsnase absetzen lassen, um sich in tief verschneite Abgründe hinunterzustürzen, begleitet von selbstausgelösten Lawinen. Der Münchner Bene Mayr und seine Mitstreiter bieten hierbei spektakuläre Kostproben artistischer Unerschrockenheit. Wobei man sich mitunter schon auch fragt, welcher Teufel da die Burschen reiten mag.
Gleiches gilt für die Freestyler, die sich in Lovigno über einen gigantischen Kicker (also einem aufgeschütteten Schneehügel) katapultieren. Furchterregende Flüge sind das, und nicht jeder kommt heil davon. Doch selbst nach einem schweren Crash offenbart sich das unerschütterliche Freestyle-Lebensgefühl. Trotz schwerer, schmerzender Beinverletzungen grinst der gestürzte Sportler aus dem Akia und reckt beide Mittelfinger empor. Supercooler geht’s nicht.