Mats Hummels kann nicht hellsehen, das hat er vorsichtshalber am Samstag in Hamburg noch mal betont. Aber der Innenverteidiger des FC Bayern hat im selben Atemzug trotzdem einen Blick in die Zukunft geworfen. Er erwarte nicht, sagte er, dass sich vor der Rückrunde irgendwelche Teams vorne absetzen“. Heißt: Nicht Borussia Dortmund, nicht RB Leipzig. Aber auch nicht: Der FC Bayern. Die Konkurrenz an der Spitze ist deutlich größer als in den vergangenen Jahren. Zufall – oder Trend?
Für kleine Details in großen Fragen lohnt sich oft der Blick über den Tellerrand der Liga hinaus. Die Vorwoche bot da zum Beispiel den Eindruck, dass die Erfahrung der Bayern auf der europäischen Bühne ein entscheidender Vorteil sei – das mag stimmen. Der Dortmunder Pokal-Auftritt aber zeigte nun, dass die Jugend ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor sein kann. Ja, es machte Spaß, diesem gerade erst volljährigen Alexander Isak beim Kicken mit den Großen zuzusehen. Ein Tor, eine Vorlage, dazu die allseitige Bestätigung, dass der junge Schwede im vergangenen Jahr einen enormen Schritt gemacht habe. Man darf davon ausgehen, dass die Bayern an diesem Abend neidisch nach Magdeburg schauten.
Isaks Auftritt nämlich führte nicht nur schmerzhaft vor Augen, dass der BVB etwas hat, das den Bayern gänzlich fehlt (einen Ersatzmann für den Top-Torjäger, der in Dortmund Aubameyang und in München Lewandowski heißt). Sondern auch, dass andere Vereine in ihrem internationalen Scouting in den letzten Jahren erfolgreicher agiert haben. Der BVB hat in Christian Pulisic (19), Jadon Sancho (17) und auch Julian Weigl (22) aussichtsreiche Perspektivspieler in den Reihen. Nicht anders ist es in Leipzig, wo unter anderem Dayot Upamecano (18), Jean-Kevin Augustin (20), Bruma (23) und Timo Werner (21) unter Vertrag stehen. In München repräsentierte Joshua Kimmich (22) lange allein den Trend zur Jugend, man freut sich daher umso mehr, dass Corentin Tolisso (23) und Kingsley Coman (21) langsam in Fahrt kommen.
Die verschlafene Entwicklung soll bei den Bayern auf zwei Wegen aufgeholt werden. Mit gezielterem Scouting und noch gezielterer Jugendarbeit. Die 70 Millionen Euro, die in den FC Bayern Campus investiert wurden, sind gut angelegt. Dass nun allerdings in Hermann Gerland und Tom Starke gleich zwei der wichtigsten Repräsentanten abgezogen wurden, weil es bei den Profis kriselte, zeigt, dass Theorie und Praxis noch nicht zusammenpassen.
Am Dienstag übrigens hat Bayerns A/B-Jugend jene von RB Salzburg empfangen. Die Partie endete 1:9. Das hätte selbst Hummels niemals vorhergesagt.