München – Vor vier Jahren schon hat der Eishockeytrainer Uwe Krupp ein großes Kompliment an Don Jackson verteilt. Er sagte damals: „Don ist vielleicht der beste Trainer, der in der DEL in den letzten zehn Jahren gearbeitet hat.“ Und weil Jackson seitdem zusätzlich zu den vier DEL-Titeln zuvor noch drei weitere Meisterschaften in Deutschland eingesammelt hat – zuletzt zwei mit dem EHC München –, wäre Krupp inzwischen wohl bereit, das Wörtchen „vielleicht“ ersatzlos zu streichen.
Auch in dieser Saison jagt Jackson, 61, den Meilensteinen des deutschen Eishockey hinterher – und strebt gerade auf den nächsten zu. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions Hockey League hat sich der EHC München am Dienstag mit 3:2 beim Schweizer Meister SC Bern durchgesetzt. Verteidigt der EHC diesen Vorsprung im Rückspiel am kommenden Dienstag (19.30 Uhr), wäre er der erste deutsche Klub, der sich im noch jungen CHL-Wettbewerb in die Runde der besten Acht vorspielt hätte. Auch die Adler Mannheim peilen den Meilenstein Viertelfinale an, jedoch treten sie beim schwedischen Spitzenverein Brynäs IF mit einem 2:3-Balast an.
Dass der EHC München nun ganz gute Karten hält, beweist auch, dass im Kreis der europäischen Elite angekommen scheint. Obwohl Jacksons Offensivkünstler Dominik Kahun, Jerome Flaake, Mads Christensen und Jonathan Matsumoto noch immer verletzte fehlten, überrumpelte der DEL-Zweite die formstarken Berner (12 Siege aus den letzten 13 Ligaspielen) – wobei Jackson sich auch auf die Tiefe des teuren EHC-Kaders verlassen konnte.
Der seit Wochen famose Keith Aucoin, der wiedergenese Andreas Eder und Maximilian Kastner drehten ein Spiel, das im ersten Drittel noch fest in Schweizer Hand war. „Bern hat zu Beginn sehr viel Druck gemacht“, sagte Kastner. Die Angriffslust Berns setzte sich fort, was auch die Torschussstatistik ausdrückte (51:35). Weil EHC-Torhüter Danny aus den Birken glänzend parierte, München das Tempo erhöhte und Kastner 99 Sekunden vor dem Ende zum 3:2 traf, ist Jackson nah dran am nächsten Meilenstein. Zuvor erwarten ihn aber noch die DEL-Spiele in Augsburg (morgen, 19.30 Uhr) und gegen Düsseldorf (Sonntag, 16.30 Uhr).
Die Aufholjagd in der Schweiz darf man jedoch auch als Verdienst des Trainers ansehen. Vor vier Tagen hatte der EHC gegen Iserlohn ebenfalls das erste Drittel verschlafen, jedoch nur eine ungenügende Reaktion folgen lassen. Ein Umstand, der Jackson erzürnen ließ. „Die Jungs können heute Abend nicht nach Hause gehen und sagen, sie haben ihr Bestes gegeben“, sagte er, fügte aber sofort an: „Sie haben den Charakter, um jetzt eine Reaktion zu zeigen.“ Diese kitzelte Jackson, der Meilensteinjäger, in Bern aus ihnen heraus.