München – Das Spektakel begann schon vor dem Spiel. Die Fans verwandelten die Westkurve des einmal mehr ausverkauften Grünwalder Stadions mittels Glitzerfolie in eine Wand aus Gold und Grün, den traditionellen Vereinsfarben. Dann leuchteten tausende von Wunderkerzen auf, auf einem Riesentransparent prangten die Letter: GLANZ VON GIESING. Und schließlich brannte vor der Kultarena ein Feuerwerk.
Eine fulminante Mischung war das aus Disko-Gewitter, Weihnachtszauber und Silvester-Knallerei. Ganz so funkelnd ist der darauffolgende Auftritt des TSV 1860 zwar nicht gewesen, aber das Ergebnis von 2:0 (2:0) passte doch zu diesem stimmungsvollen Abend. Die Löwen bauten damit ihre Spitzenposition in der Regionalliga Bayern gar auf acht Punkte Vorsprung aus. 1860-Trainer Daniel Bierofka zeigte sich allerdings am Ende betont mürrisch: „Wenn wir immer so spielen wie in der zweiten Halbzeit, dann wird’s schwierig für uns.“
In der Tat schwächelten die Löwen im zweiten Spielabschnitt bedenklich. „Wir haben teilweise planlos gespielt, waren zu hektisch im Spielaufbau, wir haben die Bälle hergeschenkt. Das ist mir unverständlich“, monierte Bierofka.
Immerhin war der erste Teil der Partie einigermaßen in Ordnung. Da kontrollierte der Herbstmeister im Duell mit dem Vorletzten das Spielgeschehen, spielte zwar nicht glanzvoll, aber – wie auch Verteidiger Christian Köppel anmerkte – „effektiv“.
Sascha Mölders (10.) scheiterte in aussichtsreicher Position an Keeper Martin Gruber. Nach einer halben Stunde köpfte Felix Weber knapp vorbei. Letztlich offenbarte sich einmal mehr, dass sich die Löwen auf ihre kämpferische Beharrlichkeit verlassen können. Ein bildschöner Diagonalpass von Markus Ziereis zerschnitt den Memminger Abwehrverbund wie ein heißes Messer die Butter. Nutznießer war Nico Karger (32.), der allein auf Gruber zusteuerte und den Ball eiskalt zum 1:0 im Netz versenkte. Es war das zehnte Saisontor des flinken Linksaußen. Wenig später erhöhte Kapitän Weber aus kurzer Distanz per Kopfball auf 2:0 (35.), die vorangegangen Ecke hatte Benjamin Kindsvater geschlagen.
Die beruhigende Führung wirkte sich jedoch nicht unbedingt förderlich auf den Münchner Tatendrang aus. Die Sechziger beschränkten sich weitgehend darauf, das Ergebnis zu verwalten, Memmingen kam nun sogar zu einigen Halbchancen. Das Kommando übernahmen im Grünwalder Stadion erneut die Fans, die im beeindruckenden Kollektiv ihre Schals reckten, sich weiter lauthals der Partystimmung hingaben und auch ein wenig Politik zu machen versuchten. Die Westkurve sang im Chor: „Baut das Sechzger aus!“ Ein eindeutiges Statement zur Stadionfrage.
Trotz allen schönen Flairs verflachte die Partie zum Ende hin immer mehr. Den Löwen ging sogar jede Souveränität verloren, plötzlich wackelte auch die Hintermannschaft. Glücklicherweise fand sich in den Reihen der biederen Memminger niemand, der aus der blauen Schwächphase hätte Kapital schlagen können. Umgekehrt vergaben die Löwen ihre finalen Konterchancen leichtfertig.
Für etwas Unterhaltung sorgte noch Sascha Mölders, als er dem herausgeeilten Keeper Gruber den Ball abkämpfte, sein Heber vom linken Flügel verfehlte jedoch knapp das Ziel. Mehr als ein Arbeitssieg war es nicht. Den Zuschauern war’s egal, sie beklatschten das 2:0 trotzdem überaus freundlich. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte der eingewechselte Eric Weeger, „aber Hauptsache, wir haben die drei Punkte.“