Schießen, einfach schießen

von Redaktion

Zwei Verteidiger-Tore bereiten dem EHC München den Weg zum 3:0-Derbysieg in Augsburg

Von Günter Klein

Augsburg – Es ist eine anspruchsvolle Saisonphase für den EHC München. Er steht im Achtelfinale der Champions Hockey League, das zwingt ihn zu Zusatz-Spieltagen am Dienstag, dazu hat er sein Programm in der Deutschen Eishockey-Liga – und einige Verletzungen. Dennoch läuft es rund: Am Freitagabend überstand der Deutsche Meister mit einer konzentrierten Defensivleistung das Derby in Augsburg, er siegte 3:0 (1:0, 1:0, 1:0). Torwart David Leggio stand felsenstabil – und zwei der Abwehrspieler verrichteten noch einen Nebenjob: Daryl Boyle und Yannic Seidenberg waren unter den Torschützen,

Die Augsburger Panther, die keinen Hauptsponsor haben, vermarkteten das Spiel gegen den Nachbarn wie kein anderes: Die Mannschaft lief in einem Sondertrikot auf, auf dem sie wie Gegner München für einen Drink warb. Allerdings nicht die berühmte Brause aus Österreich, sondern für die Energy-Version des schon über 60 Jahre alten Mixgetränks einer Augsburger Brauerei. Es war also nicht nur das Duell Schwaben – Oberbayern, Tradition – Neuschöpfung, Durchschnittsetat – Ligaspitzenbudget, sondern auch das zweier Getränke.

Voll war es jedenfalls, das Curt-Frenzel-Stadion (6139 Zuschauer – ausverkauft) und die Atmosphäre derbylike, also mit entsprechenden Beleidigungen aus den jeweiligen Fanblöcken – wobei der auf dem Videowürfel eingeblendete Schmäh-Tweet eines Panther-Fans mit dem Hashtag #scheissschwulemuenchner über die übliche Folklore hinaus ging.

Beide Teams brachten viel Dampf aufs Eis. Das erste Drittel sah in der offiziellen Statistik die Augsburger mit 16:9 Torschüssen vorne, doch die bessere Qualität hatten die Abschlussversuche der Münchner. Auch wenn EHC-Trainer Don Jackson einige Stars der Sturmarmada fehlen (wie Matsumoto und Kahun): Seine Leute konnten den größerem Druck aufbauen, wenn sie sich im Angriffsdrittel festgesetzt hatten; der AEV, vom Typ her eine Offensive-Hurra-Truppe, musste darum kämpfen, in diesen Momenten nicht auseinanderzubrechen. Er schaffte es immer wieder, in eine geordnete Aufstellung zu kommen, dennoch gingen die Münchner in Führung. 1:0 und 2:0 für den EHC entsprangen einem ähnlichen Muster – am Ende stand der Verteidiger-Schuss aus dem Umfeld der blauen Linie.

„Schießen, einfach schießen“ fordern die Fans in Eisstadien ja oft, und immer wieder ist das ein probates Mittel, weil man den Verkehr vor dem Tor ausnutzen kann. Der zweite Münchner Treffer (Seidenberg) war zudem ein in Überzahl erzieltes Tor. Das 3:0 durch einen Abstauber von Maxi Kastner im letzten Drittel ebenso. Weil jede Mannschaft über die andere wusste, dass sie ein starkes Powerplay aufziehen kann, war beiderseits das Bemühen spürbar, Strafzeiten zu vermeiden. Es war ein sehr diszipliniert geführtes Match, dieses Derby.

Bemerkenswert noch aus Münchner Sicht: Keith Aucoin, der DEL-Topscorer, sammelte zwei weitere Assistpunkte, beim Sturmkollegen Brooks Macek riss nach acht Spielen mit je einem Punkt die Serie.

Nächste Aufgabe für den EHC München: Am Sonntag (16.30 Uhr) ist nochmals Liga gegen die Düsseldorfer EG, zwei Tage später dann schon das Champions-League-Rückspiel gegen den Schweizer Meister SC Bern.

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