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Auf Augenhöhe mit der Besten

von Redaktion

Im Vorjahr holte Tina Hermann WM-Silber hinter Jacqueline Lölling – in Pyeongchang soll es andersrum laufen

von hanna raif

München – Zuhause am Königssee war Tina Hermann schon lange nicht mehr. Den schönen Spätherbst im Berchtesgadener Land, die ersten kalten November-Tage, all das hat die 25-Jährige nicht miterlebt, weil sie sich seit drei Wochen auf Reisen befindet. Von den Testwochen auf der Olympia-Bahn in Pyeongchang nämlich flog das deutsche Skeleton-Team gleich weiter nach Lake Placid. Ein Mal um die Welt, um an diesem Donnerstag beim Weltcup-Auftakt in Übersee bestens vorbereitet anzutreten.

Schon geht es also wieder los im Eiskanal, und traditionell eröffnen die Frauen auf dem Skeleton die Saison, die heuer eine besondere ist. Acht Weltcups stehen an, ehe im Februar in Südkorea die Olympiasieger gekürt werden. Und wenn man bedenkt, dass die deutschen Damen im Vorjahr bei der Heim-WM am Königssee einen Doppel-Erfolg gefeiert haben, ist die Vorgabe für den Höhepunkt des Winters klar. „Ich werde alles dafür geben, dabei zu sein, und dann will ich um Medaillen mitfahren. Das ist das Ziel – und das sollte es auch sein“, sagt Hermann.

Zwei Top-3-Platzierungen oder drei Rennergebnisse unter den besten Acht sind für die Qualifikation notwendig, für die Vize-Weltmeisterin Hermann heißt das ab jetzt: „Vollgas!“ Experimentieren und Testen ist in den Rennen nicht drin, weil jedes Ergebnis auch Einfluss auf die Startnummer bei der olympischen Entscheidung hat. Wer auf der schwierigen Bahn in Pyeongchang ganz vorne landen will, wird alles brauchen: Gutes Material, Topform und Glück.

Hermann spricht – wie so viele andere – von der „Kurve zwei“, die sie „unbedingt in den Griff bekommen“ will. In zahlreichen Trainingsfahrten hat das schon geklappt, im Ernstfall beim Weltcup nicht – da wurde sie beim Sieg von Weltmeisterin Jacqueline Lölling im Frühjahr nur Neunte. Das bisher letzte Rennen im olympischen Eiskanal war gewissermaßen das Spiegelbild für Hermanns schwierige zurückliegende Saison.

Wenn man sich vor exakt einem Jahr mit Tina Hermann unterhalten hat, hatte sie so gar nichts gemein mit der selbstbewussten Frau, die heuer wieder „das Maß aller Dinge“ sein will. Damals bereitete ihr der Rücken so arge Schmerzen, dass sie – als Weltmeisterin von 2016 – sogar ans Aufhören dachte. Auch in diesem Sommer musste sie ab und an kürzertreten, gönnte sich diese Zeit aber auch. Mit Zusatzübungen und viel Mobilisation schaffte sie es, so gut wie schmerzfrei zu werden. Bei der internen Qualifikation war Hermann wie Lölling ohnehin gesetzt, den dritten Startplatz erkämpfte sich Sophia Griebel. Die Herren gehen mit dem WM-Zweiten Axel Jungk, Christopher Grotheer und Alexander Gassner an den Start. Bundestrainer Jens Müller will „mindestens eine Medaille“.

Im Fokus steht das Duell zwischen Hermann und Lölling. „Topfit“, sagt Hermann, die im letzten Jahr überholt wurde, „sind wir auf Augenhöhe“. Und sie sagt auch: „Das ist ein Einzelsport – natürlich will ich sie schlagen.“ Lölling denkt genauso, der Freundschaft der beiden aber tut das – Stand heute – keinen Abbruch. Für Hermann ist „Sport eben Sport. Und alles, was außenrum ist, passt zwischen uns sehr gut.“

Nicht permanent in Kontakt sind die beiden übers Jahr, „aber“, sagt Hermann, „wir schreiben uns schon sehr oft und wissen immer, wie es der anderen geht“. Bisher: Sehr gut. Davon konnten sie sich auf ihrer gemeinsamen Reise um die Welt zuletzt Tag für Tag selbst überzeugen. Aber: Ab jetzt wird es ernst.

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