Geschäftsführer Markus Fauser hatte es bereits angekündigt: Die Personalstrukturen des TSV 1860 sollen verstärkt werden. Der erste Coup ist dabei mit Christian Wörns, 45, gelungen: Der 66-fache Nationalspieler (früher u. a. Leverkusen und Dortmund) wird ab sofort den Trainerstab für den Löwen-Nachwuchs in einer Schlüsselposition ergänzen.
-Christian Wörns, warum sind Sie zum TSV 1860 gekommen?
Wolfgang Schellenberg (Leiter des 1860-Nachwuchsleistungszentrums/Anm. d. Red.) hat sich bei mir gemeldet, und ich hatte einfach ein gutes Gefühl. Ich wohne ja auch in Grünwald. Außerdem ist der Jugendbereich meine Leidenschaft, weil man da die Jungs gut formen und entwickeln kann. Ich kann meine Erfahrung weitergeben.
-Hatten Sie auch schon Kontakt mit Cheftrainer Daniel Bierofka?
Wir haben uns beim Spiel der U19 gesehen und ausgetauscht. Wir kannten uns ja schon von den Duellen mit dem FC Augsburg II. Wir wollen uns in dieser Woche in Ruhe zusammensetzen.
-Was sind genau Ihre Aufgaben?
Ich bin primär zuständig für die U19. Den Aufgabenbereich der U21, die aus Profis und Spielern der U19 besteht, werden wir uns im Trainerteam aufteilen.
-Sie haben sich sowohl die U21 als auch die U19 angesehen. Ihr Eindruck?
Wirklich gut. Dass es für die Jungs, die von oben in die U21 kommen, nicht immer einfach ist, ist auch klar. Die U19 hat derzeit fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer FC Ingolstadt 04.
-Ist der Aufstieg noch das Ziel?
Leider spielen wir nur noch einmal gegen Ingolstadt. Wir werden alles rauspressen, was geht. Aber wir haben es nicht mehr in der eigenen Hand.
-In der letzten Saison sind nicht nur die Profis, sondern auch fünf Jugendteams abgestiegen. Die 1860-Talenteschmiede hat zuletzt doch einiges an ihrem Glanz eingebüßt …
Es wäre natürlich besser, wenn man in der Jugend-Bundesliga spielen würde. Es ist aber so, wie es ist. Wir packen es alle zusammen an, versuchen nach und nach, die Mannschaften wieder in die höchsten Ligen zu schieben. Das hat auch eine gewisse Strahlkraft für die Jungs. Die spielen alle lieber Bundesliga als Bayernliga.
-Die Bayern haben ein neues Nachwuchs-Leistungszenturm aufgebaut. Ist es schwer, als zweiter Münchner Verein damit zu konkurrieren?
Ich denke, dass es viele talentierte Spieler in und um München gibt. Jede Mannschaft kann nur mit elf Spielern spielen und hat einen Kader von 20 Mann. Da werden wir uns als 1860 gut aufstellen können.
-Wie kann man sich gegenüber dem FC Bayern profilieren?
Das Wichtigste ist, dass man gut scoutet und gerade in den jungen Jahrgängen die Spieler holt, die man für den Verein begeistern kann. Wir müssen eine familiäre Umgebung schaffen, in der sich die Jungs wohlfühlen und Halt haben. Sie müssen aber auch sehen, dass hier inhaltlich etwas geboten ist. Ganz wichtig ist die Durchlässigkeit nach oben. Die war in den letzten Jahren schon sehr gut bei 1860 gewesen. Es nützt ja nichts, dass man nach der Jugend irgendwo nach Buxtehude muss. Eine Durchlässigkeit im Verein ist ein gutes Argument für Talente.
-Sie waren Trainer beim FC Augsburg II und sind dort zurückgetreten. Warum?
Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich habe dazu nichts gesagt und werde es auch nicht.
-Waren Sie auch schon bei den Profis im Stadion?
Gegen den FC Bayern II war ich mit Kumpels im Stadion. Zu der Zeit gab es aber noch keine konkreten Gespräche mit Sechzig.
-Wie sehen Sie generell die Entwicklung im Verein nach dem Absturz in die Vierte Liga?
Sehr positiv – gerade was die Profis betrifft. Es wäre super, wenn sie die Regionalliga-Tabellenführung halten könnten und nach Möglichkeit aufsteigen würden. Das wäre auch für den Jugendbereich einfacher. Für die Talente ist Dritte Liga und Regionalliga natürlich ein großer Unterschied.
Das Interview führte Florian Fussek