Köln – Der 1. FC Köln setzte die Fahnen am Geißbockheim auf halbmast, die Domstadt und Fußball-Deutschland versanken nach dem Tod des 1954er-Weltmeisters Hans Schäfer in tiefe Trauer. „Ich bin sehr traurig und werde Hans Schäfer für immer als größten Kölner Spieler und tollen Menschen in Erinnerung behalten. #RIP“, schrieb WM-Champion Lukas Podolski aus dem fernen Japan via Twitter.
Schäfer war gestern, 19 Tage nach Vollendung seines 90. Lebensjahres, friedlich eingeschlafen. FC-Präsident Werner Spinner brachte die Stimmung in Köln auf den Punkt: „Als Weltmeister und größte Ikone dieses Klubs ist Hans Schäfer unsterblich.“ Letzter noch lebender Spieler aus der Weltmeister-Elf von 1954 ist Horst Eckel (85).
Auch der Lauterer reagierte erschüttert. „Ein sehr trauriger Tag. Hans war ein sehr guter Freund von mir. Jetzt bin ich der Letzte der Mannschaft von 1954, und ich vermisse meine Kameraden“, sagte Eckel. Letztmals hatte er zu Schäfers 90. Geburtstag am 19. Oktober mit ihm telefoniert: „Da hatte ich das Gefühl, dass es ihm gut geht.“
Auch beim 1. FC Köln herrschte Bestürzung. „Von allen großen Spielerpersönlichkeiten des 1. FC Köln ist Hans Schäfer mit dem Wunder von Bern der Größte“, sagte Ex-Nationaltorhüter und FC-Vizepräsident Toni Schumacher: „Die FC-Familie verliert mit ihm einen Kölner Giganten, der Vorbild für unzählige Fußballer war.“ Der damals beste Linksaußen der Welt sei ein Wilder auf dem Platz gewesen, „wer sich nicht einsetzte, der bekam seinen Ehrgeiz zu spüren. Das verbindet uns beide über die Generationen hinweg“, so Schumacher: „Stolz war ich stets darauf, wenn er sagte: ,Toni, wir beide hätten gut zusammen in eine Mannschaft gepasst.’“
Der 1. FC Köln hatte einen besonderen Platz im Herzen von „de Knoll“ (der Dickkopf), wie Schäfer aufgrund seines Temperaments genannt wurde. Doch nicht nur für den ersten Bundesliga-Meister sorgte er für Furore.
Beim ersten deutschen WM-Triumph 1954 in Bern gegen Ungarn (3:2) gehörte Schäfer zu den Leistungsträgern der Mannschaft um Kapitän Fritz Walter. Wohl jeder Fußballkenner erinnert sich noch an die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann und an „Bozsik, den rechten Läufer der Ungarn“, der, es war im WM-Finale 1954, den Ball an einen gewissen Schäfer verlor. Wenig später „müsste Rahn schießen“ – der Rest ist ein stolzes Kapitel deutscher Sportgeschichte. „Der erste WM-Titel für den DFB hat das gesamte Nachkriegs-Deutschland verändert. Der Name Hans Schäfer bleibt für immer eng mit dem Wunder von Bern verbunden“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. dpa