Die DFL fordert eine Neuordnung

von Redaktion

Nicht nur der Videobeweis als Problemfeld: Der Entmachtung von Krug folgt Diskussion um das Schiedsrichterwesen

Von Jan Mies und Nicolas Reimer

Frankfurt/Main – Die Reizfigur ist weg, doch die Diskussion um den Videobeweis noch lange nicht vorbei. Nach der Absetzung von Videochef Hellmut Krug muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Fokus wieder auf die eigentliche Umsetzung legen und nach Ansicht der Deutschen Fußball Liga (DFL) gar das komplette Schiedsrichterwesen umkrempeln.

„Wir brauchen einen strukturellen Neuanfang. Die Pilotphase des Video-Assistenten hat schonungslos Probleme offengelegt, die es an einigen Stellen schon lange gibt und nun endlich behoben werden müssen“, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball am Dienstag nach einer turnusmäßigen Sitzung des Präsidiums. „Ohne Rücksicht auf Namen und Positionen“, heißt es in der Mitteilung weiter, sei es „erforderlich, die organisatorischen Strukturen und Verantwortlichkeiten den massiv gestiegenen Erfordernissen im Sinne von Transparenz und klaren Verantwortlichkeiten anzupassen.“ Und dies dann klar zu kommunizieren. Denn „nur wenn Spieler, Trainer, Klubverantwortliche und Zuschauer die Abläufe und Regelauslegungen sowie deren Nutzen nachvollziehen können, ist es möglich, die nötige Akzeptanz für eine sinnvolle Innovation zu erzielen“.

Daran hapert es allerdings noch, (auch) die mangelhafte Kommunikation stand dem Erfolg des Projektes bislang im Weg. „Ich glaube, es ist bis heute auf allen Seiten immer noch nicht genau klar, wann der Videoschiedsrichter eingreifen soll“, sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel: „Wir müssen das korrigieren. Doch ich tue mich schwer, den Videoschiedsrichter an sich infrage zu stellen.“ Augsburgs Manager Stefan Reuter fehlt die Souveränität der Unparteiischen: „Der Schiedsrichter muss der starke Mann auf dem Platz bleiben!“, fordert er.

Umso dringender scheint das klärende Gespräch, zu dem Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich eingeladen hat. „Unter Einbeziehung aller Beteiligten soll klar herausgestellt werden, unter welchen Umständen der Video-Assistent eingreifen soll und wann nicht“, teilte der DFB in der Presseerklärung zu Krugs Degradierung mit, die das Chaos auf die Spitze getrieben hatte. Der umstrittene 61-Jährige war am vergangenen Freitag zunächst auf Anraten der DFB-Ethikkommission nur aus der Schiedsrichterkommission geworfen worden, er sollte aber Leiter des Videoprojektes bleiben.

Drei Tage später inklusive schwerwiegender Vorwürfe in der Bild-Zeitung war aber auch das hinfällig und Fröhlich übernahm Krugs Job – laut DFB aber eben nicht wegen der negativen Berichterstattung. Die Entscheidung sei „vor allem zum Schutz des Schiedsrichterwesens, des wichtigen Projekts Video-Assistent und nicht zuletzt zum Schutz der Person Hellmut Krug getroffen“ worden, sagte der zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann.

Quasi abgeschafft wurde die Position des Supervisors, in der Krug angeblich unerlaubten Einfluss genommen haben soll und die vom IFAB gar nicht zwingend vorgegeben ist, trotzdem. Dieser soll, das betonte der DFB nach den völlig misslungenen Kommunikationsversuchen mit den Bundesliga-Vereinen in der vergangenen Woche, nur dann eingeschaltet werden, „wenn in entscheidenden Szenen ein Wahrnehmungsfehler vorliegt“. Nur bei „glasklaren Fehlentscheidungen“, forderte Heidel: „Ebenso noch bei einer Roten Karte, die nicht ins Blickfeld des Schiedsrichters gefallen ist – ansonsten soll er sich nicht melden. Das war der Ansatz, aber in der Praxis sieht es leider anders aus.“

Dass der Videobeweis in Deutschland funktioniert, ist auch wichtig für die Regelhüter des Weltverbandes FIFA. Schließlich will das zuständige International Football Association Board (IFAB) bei der WM 2018 in Russland eine dann fehlerfreie Technik einsetzen.

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