Ein neues Fußballtrikot zu präsentieren, ist für PR-Menschen heute die leichteste Übung. Früher gab es in Sportredaktionen ein regelrechtes Wettrennen um das erste Foto, aber in diesen digitalen Zeiten, da sich Informationen rasend schnell verbreiten, nutzen Vereine und Verbände einfach ihre eigenen Kanäle. Sie können sich sicher sein, dass die Meldung sogleich die Runde macht.
Der DFB hat am Montag sein neues WM-Trikot vorgestellt. Es sieht aus wie das Weltmeistermodell von 1990, mit einem gezackten Brustring, nur ohne Farbe. Ein wenig blass kommt das Hemd daher, aber dieser Effekt war offenbar gewollt, sonst hätten die Marketingstrategen die DFB-Models Kroos, Özil und Hummels nicht ausgerechnet vor eine nackte Betonwand gestellt. Außerdem posiert in der Bildmitte Mesut Özil, dem schon oft seine Körpersprache auf dem Platz vorgeworfen wurde, in beeindruckend schlaffer Haltung. Das kann kein Zufall sein.
Erwartungsgemäß sprudeln die Kommentare zu Design (Tendenz: naja) und Preis (Tendenz: dreist) aus allen Kanälen. Die klassischen Reflexe. Sie lassen außer Acht, dass ein WM-Trikot nicht wegen seiner Schönheit gekauft wird, sondern wegen des Gefühls der Zugehörigkeit und weil es für viele Menschen ein beliebtes Partyutensil ist. Wenn ein Trikot nicht gerade so grandios misslingt wie das Modell der WM 1994 (Modell „gerupfter Papagei“), ist Aussehen kein entscheidendes Kaufkriterium.
Ob das gute Stück nun wirklich so modern und hip ist, wie die PR-Menschen dem Weltmeister Thomas Müller in den Mund gelegt haben, sei dahingestellt. Viel spannender ist, ob die Spieler die schlichte Farbgebung aufpeppen werden. Ein Berliner Kreativdirektor (der ganz zufällig früher für den DFB-Ausrüster arbeitete) hat schon angeregt, man solle zum neuen Trikot unbedingt schwarze Schuhe tragen, um keinen Stilbruch zu begehen.
Das wäre dann wirklich Retro, um es mit dem Schlagwort zu sagen, das seit Montag überall strapaziert wird. Realistisch ist das Szenario aber nicht. Schließlich werden auf der Sportartikelmesse WM nicht nur Trikots vorgeführt, sondern auch die neueste Schuhmode. Global, wie die ist, wird sie sich nicht an deutschen Standards orientieren. Sondern modern und hip in grellen Tönen daherkommen.