Augsburg – Seit 1987 gibt es im Eishockey den Deutschland-Cup, 30 Jahre alt ist das Turnier, das morgen in Augsburg wieder beginnt – und die Erwartung, die ihm vorauseilt, lautet: Es wird der beste Deutschland-Cup aller Zeiten werden.
Ist dem so? „Das weiß ich nicht“, sagt Bundestrainer Marco Sturm. Seine Spielerkarriere hat großteils in Nordamerika stattgefunden, die November-Länderspiele des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) haben weit außerhalb seines Wahrnehmungskreises stattgefunden. Als Trainer erlebt er nun seinen dritten Cup, und für diese Zeitspanne kann er bestätigen: „Es ist der interessanteste.“
Denn diese Konstellation gab es noch nie: Das Olympia-Turnier im Februar in Pyeongchang wird ohne die Stars aus der National Hockey League stattfinden, für die NHL ist der südkoreanische Markt uninteressant. Daher werden die Nationalmannschaften aus Akteuren gebildet, die bei europäischen Klubs unter Vertrag stehen. Daraus wiederum folgt: Die Teams aus Russland, USA und der Slowakei, die in Augsburg gegen die Deutschen spielen, werden denen ähnlich sein, die in Pyeongchang antreten. Und auch beim DEB gilt: Der Deutschland-Cup ist die letzte Qualifikationschance. „Wer sich mir zeigen will“, sagt Sturm, „muss das jetzt tun“.
Es folgen keine weiteren Länderspiele bis zum Januar, wenn Sturm beim Deutschen Olympischen Sportbund die Namen von drei Torhütern und 22 Feldspielern („Und acht Trainingsspieler können wir angeben“) einreichen muss. Der Deutschland-Cup, sonst international eine nachrangige Veranstaltung, wird zum wahrhaft vorolympischen Turnier.
Sturm ist im Sommer von Florida nach Landshut, in seine Heimat, gezogen. Seinen beiden Kindern, aufgewachsen in Amerika und mit viel Sonne, gefällt’s: „Viele schütteln den Kopf, doch wir genießen, dass es kühler ist – das hatten wir sonst nicht.“ Seine dauerhafte Präsenz in Deutschland hat es ihm erlaubt, DEL-Spiele live ort Ort und nicht nur über Internet-Plattformen zu verfolgen. Nicht alles, was er von seinen Kandidaten gesehen hat, findet sein Gefallen: „Bei einigen habe ich den Eindruck, da müsste noch mehr im Tank sein.“
Neun Münchner und fünf Mannheimer hat Sturm berufen, diesen Spielern will er wegen der hohen Zusatzbelastung durch die Champions League nur je zwei Deutschland-Cup-Partien abverlangen. Denn was bei diesem Turnier garantiert sein dürfte: Es wird höchste Intensität abverlangen. Das garantieren die Gegner.
Favorit sind nach den Namen die USA mit ihren Europa-Legionären, von denen 20 eine NHL-Vergangenheit haben. Star auf dem Eis ist der derzeit vertragslose Brian Gionta (1118 Profi-Matches), an der Bande steht Prominenz: Headcoach Tony Granato war „mein erster Zimmerkollege in der NHL“, wie Marco Sturm sich erinnert, Asistent Chris Chelios gewann als 46-jähriger Verteidiger den Stanley-Cup (jetzt ist er 55).
Russland ersetzt im Teilnehmerfeld den ausgestiegenen Dauerteilnehmer Schweiz und kommt mit Spielerblöcken von SKA St. Petersburg und ZSKA Moskau. Die Slowakei vertraut sich einem neuen Trainer an, dem Kanadier Craig Ramsay. Unterschätzen sollte man sie nicht, merkt Marco Sturm an. Er braucht nur an den Deutschland-Cup 2016 zu erinnern. Turniersieger war: die Slowakei.