Dachau – Mitte der Neunziger war der ASV Dachau die Männeradresse in Volleyball-München. Eigentlich sogar in Volleyball-Deutschland, 1995 und 1996 war der ASV Deutscher Meister, im zweiten Meisterschaftsjahr zudem im Finale der Champions-League. 1997 fügte Trainerlegende Stelian Moculescu als Trainer des ASV seiner persönlichen Sammlung Pokaltitel Nummer acht hinzu, bevor er nach Friedrichshafen ging und dort die Nummern neun bis 21 hinzufügte. Mit der Ära Moculescu endeten am Dachauer Stadtwald auch die ganz großen Erstligazeiten. Zweimal stieg der ASV aus Liga eins ab, kam zurück und richtete sich nach dem endgültigen Abstieg 2005 lange Jahre in der Zweiten, seit 2016 sogar in der Dritten Liga ein.
Das ist die Geschichte, jetzt ist der ASV Dachau zurückgekehrt auf die deutschlandweite Volleyballbühne, zumindest für ein Spiel: Im Achtelfinale des DVV-Pokal unterlag das Drittligateam zwar am Dienstag dem Erstligisten und Pokalfinalisten des Vorjahres, der SVG Lüneburg, erwartungsgemäß mit 0:3 (14:25, 15:25, 25:27). Doch die Mannschaft, die für Dachau auf dem Feld stand, macht Hoffnung auf einen Neuanfang. Im Schnitt ist die ASV-Boygroup noch nicht einmal volljährig, zu den großen Dachauer Zeiten waren lediglich die Mannschaftsoldies Thomas Öster (25) und Konstantin Luber (21) so gerade mal auf der Welt.
„Es war klar, dass wir mit unserer Kindermannschaft gegen Lüneburg wohl nix gewinnen“, sagt der Trainer Dominic von Känel, selbst gerade einmal 23 Jahre alt, über seine Youngster. Und das ist kein bisschen despektierlich gemeint, sondern stolz. Denn Zählbares haben die Jungs um Mannschaftsküken Simon Pfretzschner, der mit seinen 15 Jahren die Boygroup angeführt hat und für seine Galavorstellung auch zum MVP gewählt wurde, nicht geholt. Aber fast, im dritten Satz war Dachau mit 23:21 vorne, bis zwei gewaltige Lüneburger Aufschläge den Satz drehten. Doch die Youngster wehrten sich gegen die an Athletik und Erfahrung weit überlegenen Erstligaprofis aus dem Norden ziemlich unbeeindruckt. Was ihnen viel Bewunderung und Sympathie eingebracht hat bei den gut 700 Zuschauern, die nach langen eher flauen Zuschauerjahren wieder den Weg in die Georg-Scherer-Halle gefunden hatten.
Das ist die zweite Geschichte des Neuanfangs, dass es die ASV-Boygroup nämlich offensichtlich schafft, die Volleyballbegeisterung in Dachau wieder anzufachen. In der Dritten Liga ist der ASV zuhause noch ungeschlagen, nicht einmal einen Satzverlust haben sich von Känels Jungs erlaubt, kein Spiel hat über eine Stunde gedauert. Mit einem Sieg in Oelsnitz könnte sich Dachau am Samstag auf Platz zwei vorschieben.
Keine leichte Aufgabe, das weiß auch von Känel: „Nach dem Pokal die Spannung nicht zu verlieren ist nicht leicht. Aber wahrscheinlich leichter, wenn es gleich wieder um richtig viel geht.“ In dieser Saison ist der Aufstieg noch nicht offiziell das Ziel, in zwei Jahren wollen sie in Dachau gerne wieder Zweitliga-Volleyball bieten.
Der Nachwuchs bleibt aber weiterhin im Fokus, für die kontinuierliche und erfolgreiche Jugendarbeit wurde der ASV in der Satzpause des Pokalspiels auch mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet. Diesen Talentförderpreis, dotiert mit 5000 Euro, verleihen DOSB und Commerzbank seit 31 Jahren für „vorbildliche Talentförderung“, der ASV hat ihn nun zum zweiten Mal bekommen. „Das ist Bestätigung und Ansporn für uns“, freute sich Abteilungsleiter Denis Werner. Und als hätten es die aktuellen Aushängeschilder des Dachauer Konzepts gehört, kamen sie aus der Kabine und hätten die Lüne-Hünen fast in einen Verlängerungssatz gezwungen.