WM-Qualifikation

Ottos Geist soll es richten

von Redaktion

Skibbe steht mit den Griechen in den Playoffs vor einer schwierigen Aufgabe – ebenso die Schweiz mit ihren zehn Bundesliga-Legionären

Von Florian Krebl und Tobias Bach

Berlin – Mit der Erfolgsmethode von „König Otto“ will Michael Skibbe Griechenland zur WM führen, die Schweiz möchte das mit geballter Bundesliga-Power schaffen: Während die Hellenen um ihren deutschen Nationaltrainer heute Abend (20.45 Uhr/RTL Nitro) im Hinspiel der WM-Playoffs nach Kroatien reisen, geht es parallel für die Eidgenossen nach Nordirland. Den Griechen steht der Sinn nach Wiedergutmachung für die sportlichen Entbehrungen der jüngeren Vergangenheit, die Schweizer dagegen können zum vierten Mal in Folge das WM-Ticket lösen.

Skibbe holte sich die entscheidenden Tipps zur Rettung des griechischen Fußballs bei keinem Geringeren als „König Otto“ persönlich. „Am Rande eines Spiels in Leverkusen sagte mir Otto Rehhagel, wie er den Verband damals vorgefunden, welche Dinge er umgestellt hat. Das habe ich in meine Überlegungen einfließen lassen“, sagte Skibbe. Als Nationaltrainer in Griechenland trat der 52-Jährige vor rund zwei Jahren in die mächtigen Fußstapfen Rehhagels. „Dass die griechische Nationalmannschaft zu dem Zeitpunkt so weit unten war, wie man weiter unten nicht sein kann, hat die Aufgabe eher vereinfacht. Es konnte ja nur aufwärts gehen“, sagte Skibbe.

Der gebürtige Gelsenkirchener spricht von einem dunklen Kapitel in der Geschichte des Europameisters von 2004. Als Tabellenletzter waren sie in der Qualifikation zur EM 2016 kläglich gescheitert. Im Oktober 2015 kam Skibbe und setzte zur Generalüberholung an, verjüngte die Mannschaft stark. Und es lohnte sich. Als Zweiter seiner Quali-Gruppe erstritt sich Griechenland das Recht, gegen die Kroaten um das Ticket zur WM-Endrunde in Russland zu ringen.

Um das zu schaffen, gilt die Marschroute, mit der Rehhagel die Mannschaft 2004 zum EM-Wunder geführt hatte. Erst einmal hinten dichtmachen. Das offensivstarke Kroatien mit Powerfußball überraschen zu wollen, kann nicht der Plan sein. Skibbe sagt: „Die Kroaten sind ein unglaublich erfahrenes Team mit Stars wie Modric, Rakitic oder Mandzukic – sie sind klarer Favorit.“

Wie die Schweizer in Nordirland, immerhin hatte es in der Gruppenphase neun Siege in zehn Spielen gegeben. Doch Nationaltrainer Vladimir Petkovic weiß, wie schwierig die Aufgabe auf der Insel wird: „Jeder Zweikampf, jeder Fehlpass des Gegners wird von den Zuschauern wie ein Tor gefeiert. Mit ihrer Mentalität können sie sehr viel bewegen. Das Publikum kann 20 bis 30 Prozent ausmachen“.

Die Eidgenossen verpassten erst am letzten Gruppenspieltag im direkten Duell mit Portugal die vorzeitige WM-Teilnahme und mussten dem Europameister den Vortritt lassen. Noch nie hat eine europäische Mannschaft die Endrunde verpasst, nachdem sie in der Gruppenphase 27 Punkte geholt hatte. Mit zehn Bundesliga-Legionären im Kader geht Petkovic nun die Mission Endrunde 2018 an. Um das endgültige Scheitern zu verhindern und die vierte WM-Teilnahme in Folge zu sichern, müssen die Eidgenossen im Hinspiel in der engen, lauten und leidenschaftlichen Atmosphäre des ausverkauften Windsor Parks bestehen. Vor zwölf Jahren bestritt die Schweiz ihre letzten Playoffs und setzte sich nach einem denkwürdigen Rückspiel in Istanbul gegen die Türkei durch. Ein solcher Coup soll nun wieder gelingen.

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