Abpfiff für den DFB, Anpfiff für die Klubs

von Redaktion

Debatte um Videobeweis: DFL-Chef Seifert für Ausgliederung der Schiedsrichter-Gilde nach englischem Vorbild

von alexander sarter und Nicolas Reimer

Frankfurt – Abpfiff für den DFB, Anpfiff für die Klubs: Um die Dauer-Diskussion über den Videobeweis und die Schiedsrichter zu beenden, hat DFL-Boss Christian Seifert klare Ansagen an alle Beteiligten gemacht. Wenn es nach dem Willen der Deutschen Fußball Liga (DFL) geht, soll den Querelen bei den Referees durch eine Ausgliederung aus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach englischem Vorbild ein Ende gesetzt werden. Zudem zeigte Seifert den Bundesliga-Bossen die Gelbe Karte.

Schließlich sind die Klubverantwortlichen nach Ansicht des DFL-Chefs für die Debatte um den Videobeweis mitverantwortlich. „Zur Wahrheit gehört auch, dass Vertreter der Liga nicht unmaßgeblich zur Verwirrung beigetragen haben“, sagte Seifert: „Von daher sollten alle Beteiligten inklusive der Klubs und ihrer Protagonisten verantwortungsbewusst genug sein, diesen richtigen Schritt nicht kaputtzureden.“

Den DFL-Vorschlag zu einer strukturellen Neuordnung des Schiedsrichterwesens außerhalb des DFB will sich Seifert ebenfalls nicht kaputtreden lassen. Als Vorbild sollen die vom Verband unabhängigen Referees des englischen Fußballs dienen. Auf der Insel wurde die Schiedsrichter-Gesellschaft aus dem Verband FA ausgegliedert. Die FA ist Mehrheitsgesellschafter an ihr, die Premier League Mitgesellschafter.

„Dabei geht es um transparente Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und die Fokussierung auf das Wesentliche“, äußerte Seifert: „Eine eigenständige Schiedsrichter-Organisation wäre zudem auch im Sinne des DFB selbst.“ Das sieht der DFB allerdings anders. „Ich halte jetzt nichts davon, in irgendwelchen Zuständigkeitsfragen das zu verdecken, was eigentlich das Thema ist: Dass wir nämlich diesen Videobeweis zum Erfolg bringen müssen“, sagte Präsident Reinhard Grindel.

Auch Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich ist skeptisch. Der Vorsitzende der Elite-Kommission sieht seine Abteilung schon jetzt „auf einem guten Weg“. In den vergangenen Jahren sei „sehr viel verbessert und professionalisiert worden“, sagte Fröhlich: „Die Rahmenbedingungen für die Schiedsrichter sind deutlich besser geworden, sowohl was Transparenz, Honorierung als auch Einsatzplanung angeht.“

Dennoch hofft Seifert auf ein Einlenken des DFB. „Dass wir als DFL jährlich 17 Millionen Euro in das Schiedsrichterwesen investieren und der DFB ebenfalls einen Millionenbetrag, rechtfertigt bereits eine eigenständige Organisation“, sagte der 48-Jährige: „Es würde mich wundern, wenn es beim DFB kein Verständnis dafür gäbe.“ Seifert stellt sogar mehr Geld in Aussicht: „Ein transparentes System für den Schiedsrichter-Etat von über 20 Millionen Euro hätten wir lieber heute als morgen.“

Dabei geht es für Seifert auch darum, den Streit bei den Unparteiischen zukünftig zu vermeiden. „Uns hat die Situation gezeigt, dass stabile Strukturen für die Schiedsrichter fehlen. Dass nicht alle an einem Strang ziehen“, sagte der gebürtige Badener.

Mit Blick auf den Videobeweis geht Seifert von einer Beruhigung der Lage aus, wenn es eine Rückbesinnung auf die Ausgangslage gibt. „Die ursprüngliche Idee des Video-Assistenten war ja, glasklare Fehler zu korrigieren. Leider wurde aber bislang zu oft eingegriffen, wenn kein glasklarer Fehler vorlag“, sagte Seifert. Laut dem DFL-Boss sollte „noch klarer herausgearbeitet werden, was eine glasklare Fehlentscheidung ist. Nur dann kann der Video-Assistent eingreifen.“

Um einen klarer Fehler zu definieren, will sich Fröhlich jetzt mit Klubvertretern treffen. Helfen soll dabei die „Hand Gottes“. Laut Fröhlich soll das Handspiel von Diego Maradona bei der WM 1986 im Spiel zwischen Argentinien und England als „Basislinie“ für die Definition gelten.

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