Brauns Fürsprecher weiter an Krücken

von Redaktion

Manuel Neuer verteidigt den zurückgetretenen Bayern-Arzt: „Absolut keine Schuld“ – Hahne Kandidat für Nachfolge

von hanna raif

München – Manuel Neuer ist nicht unbedingt der Typ Fußballer, der die öffentliche Wahrnehmung seiner Person über die eigene Facebook-Seite steuert. Aber in Zeiten, in denen man verletzt ist – und das ist beim Kapitän des FC Bayern schon sehr lange der Fall –, muss man manchmal Ausnahmen machen. Spieler, die ihre Reha vorantreiben, geben beim Branchenführer grundsätzlich keine Interviews. Da die Sache aber Dringlichkeit hatte, meldete sich der 31-Jährige unter der Woche über die sozialen Medien zu Wort. Er verbreitete eine Botschaft, die nicht alle im Verein so unterschreiben würden. Sie lautete: Dr. Volker Braun ist ein guter Mann!

Neuer muss es eigentlich wissen, denn er ist aktuell der Dauerpatient an der Säbener Straße. Seit März musste er zwei Mittelfuß-Operationen über sich ergehen lassen, aktuell läuft er immer noch an Krücken – und die Prognosen liegen irgendwo zwischen weiteren vier Wochen mit Gehhilfen („Bild“-Zeitung) und Trainingseinstieg nach der Winterpause (Berater Bernhard Schmittenbecher). Man munkelt aber schon länger, dass die Heilung des linken Fußes nicht so voranschreitet wie erhofft – und hier kommt der Anfang der Woche zurückgetretene Mannschaftsarzt Braun ins Spiel. Dafür, dass die ursprünglich kleine Verletzung so schlimm wurde und der Zeitplan nun kaum eingehalten werden kann, geben nicht wenige Braun die Schuld. Auch wenn Neuer schreibt: „Ich kann versichern, dass er die allerbesten Methoden angewandt hat, welche die moderne Medizin ermöglicht.“

Ärzte und der FC Bayern, das ist ja seit 2015 ein heikles Thema, seit jener Nacht von Porto, in der Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sich auf dem Mitternachtsbankett noch nichts anmerken ließ – den Flieger nach München aber in dem Wissen betrat, nach knapp 38 Jahren beim FC Bayern Schluss zu machen. Braun, zuvor schon erster Ansprechpartner für die Bayern-Jugend, übernahm sofort, und während der unscheinbare Mittvierziger mit den Bayern fortan über den Kontinent tingelte, tat sich hinter den Kulissen Einiges.

Das Verhältnis zwischen den Bossen und dem vertrauten „Mull“ hatte freilich gelitten, entspannte sich aber nach und nach. Vergessen ist die ganze Sache – der Streit mit Pep Guardiola, die Vorwürfe von Karl-Heinz Rummenigge – sicher nicht. Die Rückkehr von Uli Hoeneß aber hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass sie zumindest so gut wie vergeben ist. Der Präsident und Müller-Wohlfahrt sind mit diesem FC Bayern gemeinsam gewachsen, sie kennen sich ewig, und Anfang der achtziger Jahre schaute Hoeneß dem Mediziner sogar mal über die Schultern. Wissbegierig war der heute 65-Jährige als junger Manager, er wollte erfahren, was dieser Mann da mit seinen Spielern veranstaltet. Hoeneß überzeugte sich schon damals davon, wovon heute die prominenten und weniger prominenten Patienten reden: Dass „Mull“ einfach der Beste ist.

Der Posten muss nun neu besetzt werden, und auch in der Chefetage ist man sich dessen bewusst, dass jeder Neue mit „Mull“ verglichen werden würde. Jerome Boateng, Arjen Robben, David Alaba, Franck Ribery – sie alle und noch viele weitere Profis konsultierten den DFB-Mannschaftsarzt auch nach dessen Rückzug vom FC Bayern. Ein Comeback als Teamarzt wäre die logische Konsequenz, ist aber so gut wie ausgeschlossen. Deutlich denkbarer ist ein Modell, in dem Müller-Wohlfahrt in beratender Funktion tätig ist und die medizinischen Abläufe überwacht.

Ein Kandidat für den täglichen Job wäre Jochen Hahne, Praxis-Partner von Müller-Wohlfahrt. Er ist hochgeschätzt als Arzt der Basketballer und gerne im „Audi Dome“ Seite an Seite mit Hoeneß zu sehen. Das könnte passen – auch wenn die „Bild“ wissen will, dass Neuer weiter bei Braun in Behandlung bleiben wird.

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