Basketball

Der Schlüsselspieler kommt in Fahrt

von Redaktion

Jared Cunningham wird bei Bayern zunehmend heimisch

Von Patrick Reichelt

München – Jared Cunningham schüttelte kurz den Kopf und lächelte. Das sollte wohl ein Beweis sein: Seht her, mir geht es gut. Und das war in der Tat nicht unbedingt selbstverständlich. Der Mann hat einiges abbekommen in diesen Tagen. Am Sonntag in Berlin war nach einem gewaltigen Rumms auf den Kopf vorzeitig Schluss. Im Eurocup-Duell am Mittwoch gegen Reggio Emilia hielt der US-Guard zwar bis zum Ende durch. Doch auch gegen die Italiener knallte es einmal beängstigend. Aber Cunningham winkte ab: „Ich bin ok.“

Und der stille Mann aus Oakland wirkte dabei fast ein bisschen glücklich. Ok, das kann er auch getrost sein. Es läuft rund bei den Bayern, in der Bundesliga die Nummer eins und auch im Eurocup sind die Münchner nach dem 83:58 über das Ensemble aus der Emilia Romagna zur Vorrunden-Halbzeit weiter ungeschlagen. Ein Kunststück, das im gesamten Wettbewerb ansonsten nur Darussafaka Istanbul und Kuban Krasnodar gelungen ist.

Und auch Cunningham selbst kommt dieser Tage zunehmend besser in Fahrt. Für den 26-Jährigen war Europa bis zu seiner Ankunft im Sommer komplettes Neuland. Sportchef Daniele Baiesi erzählte schmunzelnd wie Cunningham nach seiner Ankunft mit dem Handy filmte, was er zu sehen bekam, weil München unerwarteterweise doch ganz anders aussah als China, wo er im Vorjahr aktiv gewesen war.

Aber nun gut, Cunningham ist auch keiner jener Spieler, die allzu tief in ihre sportliche Wahlheimat eintauchen. Ganz anders etwa als Ex-Kapitän Bryce Taylor, der sich intensiv mit der Region auseinandersetzte. Cunningham hält das anders. Auch von München selbst hat er noch nicht viel gesehen. Das wird sich wohl in den kommenden Wochen, in denen die Bayern ausschließlich zuhause ran müssen, nicht ändern. „Ich bin keiner, der viel rausgeht“, sagte er, „außer zum Training und für Spiele.“

Das entscheidende ist, dass er sich auf dem Feld zunehmend besser einfindet. In den zurückliegenden Partien war Cunningham einer der auffälligsten Bayern. Auch gegen Reggio Emilia war das so. 15 Punkte waren sein Bestwert im laufenden Wettbewerb. Vermutlich wären es noch einige mehr gewesen, hätte er sich nicht mit schnellen Fouls selbst etwas in Bedrängnis gebracht. Den größeren Teil der ersten Halbzeit jedenfalls verbrachte Jared Cunningham zur Sicherheit auf der Bank.

Aber auch so blitzte auf, warum Baiesi den Mann, der in seiner Karriere schon mit Superstars wie Dirk Nowitzki oder LeBron James im Team stand, eigentlich an weit höherer Stelle erwartet hätte: „Er müsste in der NBA spielen.“ Cunningham kann aus der Distanz werfen – am Mittwoch setzte er drei von vier Würfen ins Schwarze. Cunningham wirbelt mit seiner Dynamik und Athletik auch durch die gegnerischen Defensivreihen. Und der Mann ist ein giftiger Verteidiger. Dass er sein Potenzial nun zunehmend besser abruft, kommt den Bayern-Verantwortlichen gerade Recht. In Vladimir Lucic ist der Mannschaft bekanntlich ein absoluter Schlüsselspieler abhandengekommen.

„Es ist wichtig, dass Jared jetzt entsprechend besser spielt“, sagte Bayerns Basketball-Chef Marko Pesic zuletzt. Cunningham muss er das nicht sagen. Der Neu-Münchner weiß, dass seine Rolle anders ist als in China, wo man vor allem Punkte von ihm erwartete. „Ich will so spielen, wie ich dem Team am besten helfe“, sagte er. Gelegentliche Kopfschmerzen inbegriffen.

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