Köln – Das IOC greift mit lebenslangen Olympia-Sperren weiter hart durch, die WADA verteidigt den McLaren-Report gegen alle Kritik – doch Wladimir Putin wittert eine Verschwörung unter Führung der USA: Drei Monate vor den Winterspielen in Pyeongchang steht die vermeintliche „Doping-Nation“ Russland weiter am Pranger.
Die Affäre nahm gestern sogar politische Brisanz an. Nach den lebenslangen Olympia-Sperren für vier weitere russische Skilangläufer warf Staatschef Putin den Vereinigten Staaten vor, den Dopingskandal zur Diskreditierung der russischen Regierung zu nutzen. „Als Antwort auf unsere angebliche Störung ihrer Wahlen, wollen sie jetzt Probleme bei unseren Präsidentschaftswahlen verursachen“, sagte Putin. Bei den Wahlen im kommenden März strebt Putin seine vierte Amtszeit als Staatsoberhaupt Russlands an.
Nach Olympiasieger Alexander Legkow und seinem Teamkollegen Jewgeni Below hatte das IOC zuvor weitere Loipenstars dauerhaft aus dem Verkehr gezogen. Prominentester Sportler aus diesem Quartett ist Maxim Wylegschanin (35), zweimaliger Silber-Gewinner bei den Spielen in Sotschi 2014, darunter der 2. Platz über 50 km hinter Legkow. Außerdem wurden Alexej Petuchow (34), Weltmeister 2013 im Teamsprint, Julia Iwanowa (32), WM-Dritte 2013 mit der Staffel, und Jewgenija Schapowalowa (31) gesperrt. Putin verurteilte die Sperren und sagte, dass Hinweise auf Sabotage kein Beweis von Schuld seien. Ohne die Namen der Langläufer zu nennen, erklärte der Präsident, dass die Regierung Doping nie unterstützt oder vertuscht habe.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gab gestern bekannt, dass sich an ihrem Kurs nichts geändert habe: „Die Untersuchungen von Richard Pound und Richard McLaren haben weitverbreitetes Doping in Russland enthüllt. Die WADA steht weiter nachdrücklich hinter den Ergebnissen und den Maßnahmen, die die WADA als Konsequenz daraus eingeleitet hat.“ sid