Verwurzelt in München

von Redaktion

Wagner ist im DFB-Team etabliert – zum Thema FC Bayern schweigt er

London – Sandro Wagner ist als Typ der offenen Worte bekannt, ein Exemplar, das man sich in diesen Zeiten der glattgebügelten Fußballer in Ehren halten sollte. Zumal der Hoffenheimer längst nicht mit seinen markigen Worten Schlagzeilen produziert, sondern auch wegen seiner Tore. Er trifft verlässlich, seit Jahren nun schon. Inzwischen hat er sich in der DFB-Auswahl als eine echte Option im zentralen Angriff entpuppt – gerade dann, wenn Joachim Löw einen Mann benötigt, der auch auf dem Platz so rangeht wie in seinen Interviews. Nur bei einem Gesprächsthema umdribbelt er direkte Aussagen; nun auch in einem Gespräch mit der „tz“: Beim Thema FC Bayern schweigt er stur.

Dabei ist Sandro Wagner, 29, bis heute in München verwurzelt. Seine ersten Schritte als Sendlinger Bub machte er beim FC Hertha der Landeshauptstadt, doch schon im F-Junioren-Alter holte der damalige Talentesucher Hermann Hummels, der Vater von Mats, den jungen Sandro zum FC Bayern. Dort stürmte er in allen Juniorenteams, von 2006 bis 2008 auch noch in der zweiten Mannschaft. Er war groß, ein bisschen sperrig, bei den Profis gelang ihm der Durchbruch nicht. Seine Karriere nahm einen langen Anlauf, über Duisburg, Bremen, Kaiserslautern, Hertha, Darmstadt und nun Hoffenheim. Ein Spätstarter.

Und bodenständig. Noch heute besucht er den FC Hertha ab und zu, obwohl er niemanden mehr kennt. „Ich stelle mich dann da fünf Minuten auf den Platz“, erzählt er, „es ist verrückt – der Geruch von früher, der ist immer noch da.“ Sein Bruder hatte ihn damals einfach mal zu einem Training mitgeschleppt.

Wagner pflegt sein Band zur Heimat weiter, was nicht zuletzt daran liegt, dass seine Familie in Haching wohnen blieb. Seine Tochter wurde gerade eingeschult, er wolle seinem Nachwuchs kein Umfeld im Dauerumbruch zumuten, „nur weil der Papa denkt, er müsse mit 30 noch mal den Verein wechseln“. Da pendelt er lieber, obwohl das schon schlaucht, da ist er ehrlich.

Dass der FC Bayern eine Großfahndung für den Sturm ausgeschrieben hat und eine Heimkehr doch praktisch wäre, damit lässt sich Wagner nicht locken. Für diesen Winter ist er eh keine Option, da er in der Champions League nicht mehr spielen dürfte. Er konzentriert sich lieber auf das heutige Spiel in Wembley. In England schätzen sie Typen wie ihn auch – auf und neben dem Fußballplatz. awe

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