Zum Glück schreiben wir das Jahr 2017 – denn plakativer als heuer könnte der Vergleich nicht sein. Erstmals seit sehr, sehr langer Zeit nämlich ist vor gut einem Monat in München ein Oktoberfest zu Ende gegangen, aus dem der FC Bayern nicht mit einer makellosen Bilanz gekommen ist. Von den fünf Spielen, die zur sogenannten Wiesn-Bilanz zählen, konnte die Mannschaft von Carlo Ancelotti (ja, so lange ist das schon her) gerade mal zwei gewinnen. Zwei Unentschieden gab es und – noch viel schlimmer – dieses krachende 0:3 in Paris.
Es war natürlich dem Terminplan geschuldet, dass der offizielle Mannschaftsbesuch im „Käfer“ schon vor dem Debakel stattgefunden hatte. Aber letztlich war es auch gut so. Denn was passiert wäre, hätte man Spieler und Funktionäre in den Tagen nach der Partie, die diesen Klub auf den Kopf gestellt hat, beim lustigen Anstoßen und Schweinebratenvertilgen abgelichtet, kann man sich ausmalen. „Hier trinken die Bayern den Frust weg“, „Ein Prosit auf den Niedergang“ und „Wiesn statt Trainersuche“ wären wohl die harmlosesten Schlagzeilen gewesen.
Nun ticken die Uhren in Köln ein wenig anders als in München – und kein Kölner möchte seinen Karneval mit dem Münchner Oktoberfest vergleichen. Zumindest im Grundsatz aber ähneln sich die Dimensionen der beiden Anlässe: Eine Gruppe Feierlustiger zieht – zumeist verkleidet – los, um entweder 25 kleine oder halt fünf große Biere zu trinken. Am Ende sind alle „völlig losgelöst“ und die Sorgen des Alltags kurz vergessen. Aber in beiden Fällen ist auch der Kater am Tag danach recht schmerzhaft.
Die Kölner Spieler werden sich diesen heuer ersparen, das gab Trainer Peter Stöger – noch letzte Woche Verfechter des Satzes: „Es gibt Dinge, die kann man nicht verschieben. Weihnachten, Geburtstage und den 11.11.“ – am Freitag bekannt. Und bedenkt man, wie viel dem Kölner an seinem Karneval gelegen ist, ist das ein großes Opfer. Wenn alle anderen „Alaaf“ schreien, sitzt der „Effzeh“ daheim auf dem Sofa. Ob da die Sorgen kleiner werden?
So oder so ist die Entscheidung, die die Mannschaft angeblich aus freien Stücken getroffen hat, angesichts der Tabellensituation (Platz 18, schlechteste Bundesliga-Start-Bilanz) die einzig richtige. Kamelle werfen und Bierchen trinken sind in dieser Branche, in der Millionen auf dem Spiel stehen, nur dann erlaubt, wenn die Situation es zulässt. Nichtsdestotrotz werden die Bilder von Stöger und seinen Jungs als Jecken wirklich fehlen. Der Trainer hat in den letzten Jahren Sinn für gute Kostüme bewiesen. Er war unter anderem als Schiedsrichter, Baumeister und Flower-Power-Mann unterwegs. Und einmal, als alles noch besser – und lustiger – war, trug er im Training sogar: Eine Lederhose.