London – Es mag leichtere Einstiegsszenarien geben als in einem der größten Fußballtempel des Planeten vor 81 000 Fans seinen Einstand auf höchstem Level zu geben. Aber Joachim Löw hat ja nicht mehr viel Zeit, seine Alternativen zu testen – also beorderte er den Debütanten Marcel Halstenberg gleich bei der ersten Möglichkeit in die Startformation. Der 26-Jährige, der erst vor einem Jahr in die Erste Bundesliga transferiert wurde, stand also plötzlich auf dem Feld, als die Nationalhymne ertönte.
In Wembley.
Gegen England.
Oh my God.
Der Leipziger wurde auf seiner angestammten Position auf der linken Seite postiert, allerdings hatte Löw eine Taktik gewählt, die dem Debütanten ein schnelleres Eingreifen in die Offensive ermöglichte. Die Flankenläufer Joshua Kimmich und Halstenberg agierten gegen England vor der Dreierkette um Mats Hummels, Antonio Rüdiger und Matthias Ginter hochstehend, was dem Debütanten entgegenkommt. Er ist gelernter Stürmer, und er ist schnell. Das ließ er auch bald durchblicken; die ersten Angriffe liefen über ihn, Halstenberg wirkte selbstbewusst, frech sogar – 81 000, Wembley, Debüt, na und?
Halstenberg tauchte im Verlauf der Partie unter, aber es war auch nicht leicht, in einer Elf Fuß zu fassen, die ein bisschen wirkte wie in die Luft geworfen, ohne dass bei der Landung etwas am richtigen Platz gelandet wäre. Der Bundestrainer hat auf der linken Abwehrseite weiterhin ein Problem, weil auch Marvin Plattenhardt von Hertha BSC bei seinen Testläufen zuletzt kaum echtes WM-Format beweisen hatte.
Die Hoffnung ist, dass der Kölner Jonas Hector seinen Syndesmosebandriss bis Anfang des Jahres auskuriert hat. Der Kölner gilt wie Kimmich auf der gegenüberliegenden Seite inzwischen als nicht mehr ersetzbar. Halstenberg hat es gegen die Briten gewiss nicht schlecht gemacht, zumal die Umstände in Wembley denkbar schwer waren. Doch das Hoffen auf Hector, es geht weiter. awe