Im vorigen Jahrhundert kam es im Fußball häufig vor, dass deutsche Klubs sich als Testspiel-Gegner türkische Teams aussuchten. Galatasaray, Besiktas oder Fenerbahce Istanbul – egal, wer kam, das Match wurde zum Zuschauererfolg. Es zog die türkische/deutschtürkische Community ins Stadion.
Im Eishockey funktioniert es mit Russen. Das russische Nationalteam, die „Sbornaja“, füllt in Deutschland die Hallen – weil es reichlich Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion gibt. Die große Welle kam in den 90er-Jahren. Die Nachfolgegeneration hat sich den Nationalstolz der Eltern bewahrt. Bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2017 erlebte die Arena wahre Invasionen junger Fans in roten Rossija-Trikots, mit Pelzmützen oder Zarenkostüm, und auch der Deutschland-Cup verdankte seinen Besucherrekord mit 32 000 über die drei Turniertage den Russen. Augsburg ist ein Zentrum, über 20 000 Russlanddeutsche haben sich in der schwäbischen Stadt niedergelassen, das Universitätsviertel heißt im Volksmund „Klein-Moskau“. Untereinander sprechen sie Russisch, doch sie sind bestens integriert, im Stadion verstehen sie jede Durchsage. Ihr Team gewinnt verlässlich, die Stimmung ist prächtig, nach den Siegen wird der alte Gassenhauer „Trus nje igrajet Chokkei“ angestimmt: Der Feigling spielt kein Eishockey.
Die Russlanddeutschen – ein riesiges Fan-Potenzial. Das die deutsche Liga aber nicht erschließt. Russische Spieler in der DEL: Keiner. Sie seien, heißt es, zu teuer geworden. Schade. gük