Köln – Am Ende eines langen Arbeitstages schleppte sich Mats Hummels am Freitag in Wembley dem Ausgang entgegen. Er war beim 0:0 gegen England der beste Deutsche und danach geduldig wie immer Rede und Antwort gestanden. Er hatte sich seinen Feierabend verdient. Eine allerletzte Frage noch, bitte! Er verdrehte die Augen, gab sich aber einen Ruck. Wie es seinen Zehen gehe? Hummels lächelte gequält. „Danke der Nachfrage. Es geht schlechter. Beide blutig und blau. Es ist unglaublich, was ich da gerade so veranstalte.“
Hummels profiliert sich gerade mal so nebenbei, während er seit Monaten für seinen FC Bayern und die deutsche Nationalelf Dienst in bestechender Form verrichtet, als Schmerzensmann des deutschen Fußballs. Die Zehen sind das Problem, entzündet, heißt es, der Innenverteidiger schneidet neuerdings ganz pragmatisch vorne seine Schuhe auf. Dazu beißt er auf die Zähne. Kurioserweise merkt man ihn das alles nicht an. „Er war in der Defensive unser Stabilisator“, so Joachim Löw nach dem Spiel gegen die Briten. Heute gegen Frankreich wird er ihn wohl schonen. Generell jedoch ist Hummels so unverzichtbar wie noch nie geworden.
Kritiker warfen ihm oft vor, zu behäbig zu sein, zu massig. Auch seine langen Bälle fanden nicht bei jedem Trainer Gefallen. Hummels hat aber gelernt, sich mit seinem Stellungsspiel zu behelfen. Gegen England war er nicht nur ein umsichtiger zentraler Ruhepol in der deutschen Dreierkette, sondern auch bei hurtigen Kombinationen der jungen Briten stets auf der Höhe. „Es macht Spaß“, meinte er, „ich bin seit einigen Wochen, Monaten ziemlich zufrieden mit meinen Leistungen.“
Das darf er auch sein. Zumal er die allgemeinen Lobreden nicht zum Anlass nimmt, nachzulassen. „Meine langen Bälle kommen in letzter Zeit nicht mehr so gut an, wie ich es von mir gewohnt bin, da ist Luft nach oben“, merkte er in London selbstkritisch an, „es ist aber auch klar, dass das Verteidigen immer Priorität hat. Das ist die Kernaufgabe.“
Am Freitag durfte der 28-Jährige die DFB-Auswahl als Kapitän aufs Feld führen. So eine Rolle, in Wembley, gegen England – „da ist man ein bisschen stolz“, sagte er. Und unter solchen Umständen geht man dann eben erst recht so weit, wie einen die wehen Füße tragen. awe