Spielt auch die KHL nicht mit?

von Redaktion

Von Günter Klein

Augsburg – Die amerikanische Entspanntheit – man hat sie auch beim Deutschland-Cup in Augsburg erleben können. Das Team USA spielte ein misslungenes Turnier, unterlag Slowakei, Russland und zum Abschluss auch noch Deutschland (mit 1:5), doch die Spieler lächelten. Weil sie ihre Familien dabeihaben durften und es am Ende auf dem Eis nur so wimmelte vor Frauen und Kindern. Dass sie sich sportlich blamiert hatten – kein großes Thema. Ein Großteil des Teams wird sein Land trotzdem bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang vertreten dürfen.

Die NHL nimmt nicht teil, aus der Farmteamliga AHL können nur Cracks nominiert werden, die Standardverträge (Jahressalär um die 60 000 Dollar) haben. Sie sind keine echte Konkurrenz für die Europa-Amerikaner, die alle viel Routine aufweisen und Stars sind in den Ligen Schwedens, Finnland, der Schweiz, auch in der DEL. Es klingt wirklich gut, was US-Trainer Tony Granato in seinem Kader hat.

Doch einigen amerikanischen Spielern droht das Olympia-Aus nun von anderer Seite – von der politischen. Denn die Kontinental Hockey League (KHL), die anerkanntermaßen zweitbeste Liga der Welt, schließt es nicht aus, das Olympia-Turnier in Südkorea zu boykottieren. Sie formuliert es nur nicht so klar. Von der Möglichkeit, „unseren Spielplan zu überdenken“, sinnierte KHL-Vorstandsmitglied Alexander Medwedew gegenüber der russischen Nachrichtenagentur „Tass“.

Warum es dazu kommen könnte: Wenn russische Sportler von den Spielen ausgeschlossen würden, beträfe dies auch das Eishockey-Team. „Und warum sollte die KHL dann im Februar eine Pause machen?“, fragt Medwedew. Der KHL-Präsident Dimitri Tschernischenko stellte auch eine Antwort darauf in Aussicht, „dass das IOC die existierende Weltordnung im Sport zerstört“ – die Russen fühlen sich in Sachen Doping-Nachforschung verfolgt, stigmatisiert, ungerecht behandelt.

Sollte sich die KHL einer Olympia-Teilnahme verweigern, beträfe dies nicht nur das russische Nationalteam, sondern auch das finnische, schwedische, ja sogar das amerikanische. Drei Amerikaner spielen für Jokerit Helsinki, das finnische Mitglied der Sieben-Nationen-Liga KHL, je einer steht unter Vertrag bei Wladiwostok, Nischnekamsk, Spartak Moskau.

Was wäre das Olympia-Turnier 2018 noch wert, wenn nach der NHL auch die KHL eine Schneise durch die Aufgebote der Nationalmannschaften schlüge? Steigen dann etwa die Medaillenchancen der Deutschen? „Ich wünsche mir gar nichts in diese Richtung“, meint Verteidiger Moritz Müller, „die Besten sollen dabei sein“. Ihm macht schon zu schaffen, dass die deutschen NHL-Cracks (Draisaitl, Kühnhackl, Rieder, Dennis Seidenberg, Grubauer) fehlen werden, denn: „Mit ihnen haben wir uns vor einem Jahr für Olympia qualifiziert. Diese Tage in Riga werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Wir wollten es so sehr.“

Bundestrainer Marco Sturm sagt: „Ich mache mir keine Gedanken über die KHL.“ Er hat den Blick ausschließlich auf das eigene Team gerichtet, das in Augsburg nach zwei Niederlagen (Russland 2:8, Slowakei 0:3) mit einem 5:1 über die hoch eingeschätzte USA dafür sorgte, dass dem Coach „das große Bild“ gefiel. Wenn er Mitte Januar den Olympia-Kader nominieren muss, wird er auf viele der Spieler vom Deutschland-Cup setzen. Dazu kommen die Verteidiger Christian Ehrhoff (Köln) und Frank Hördler (Berlin), von den Stürmern sicher der NHL-erfahrene Marcel Goc aus Mannheim („Auch wenn er diese Saison nicht viele Punkte macht“, so Sturm) und vielleicht Felix Schütz (Köln), „der für Augsburg aus privaten Gründen abgesagt hat“.

In Pyeongchang hofft Deutschland „komplett“ anzutreten, so DEB-Präsident Franz Reindl. Mit NHL-Spielern wäre man „komplett komplett“.

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