Köln – Es muss ein komisches Gefühl gewesen sein für Kevin Trapp, in einem Pflichtspiel mal wieder zwischen den Pfosten eines Tores zu stehen. Den regulären Arbeitsplatz eines Torwarts hat der 27-Jährige nun schon länger nicht mehr besetzt; in dieser Saison steht in der Rubrik Einsätze für Paris St. Germain eine demütigende Null. Umso bemerkenswerter war, dass ihm Joachim Löw gestern sein zweites Länderspiel zutraute, trotz des akuten Praxismangels. Er habe keine Bedenken bei der Personalie, hatte der Bundestrainer zuvor gesagt. Zumindest er also hatte kein komisches Gefühl.
Löw hat ein kleines Problem, von dem er noch nicht so richtig weiß, ob es bis zur WM nicht sogar noch ein großes werden könnte. Die Prognosen, wann Manuel Neuer nach dem dritten Mittelfußbruch binnen weniger Monate voll belastbar ist, sind undurchsichtig. Als Alternative hat sich zwar Marc-André ter Stegen etabliert, aber was passiert, wenn es tatsächlich zum Stühlerücken kommt? Trapp und Bernd Leno (Leverkusen) machen den Platz hinter ter Stegen hinter sich aus. Momentan geht es da um die Nummer 3. Aber der Sieger des Duells könnte ja auch bald die Nummer 2 sein.
Trapp wurde in Paris im Sommer zu einem extravaganten Restposten. Er ist hinter Alphonse Areola nun endgültig Bankdrücker, Bundestorwarttrainer Andreas Köpke rät ihm im Winter zu einem Wechsel: „Die Rückrunde gibt den Ausschlag, wer mit zur WM geht.“ Beim Confed Cup war der 27-Jährige der Einzige, der keine Minute zum Einsatz kam.
Gestern war Trapp bei Prüfungen durch Lucas Digne und Kylian Mbappé mit superben Reflexen zur Stelle. Beim 0:1 stand der Keeper, der das Tor in seinem markanten Dress wie ein roter Drache bewachte, wie auch später beim Konter zum 1:2 unverschuldet auf verlorenem Posten. Sollte ihn jemand im Winter holen, bräuchte derjenige kein komisches Gefühl zu haben. awe