Mailand – Wie wilde Elche stürmten die schwedischen Spieler auf die Kameras zu, sprangen auf die überraschten Moderatoren, zerlegten das mobile TV-Studio in seine Einzelteile. Diese irren Szenen nach der erfolgreichen WM-Qualifikation sah am Fernseher auch Zlatan Ibrahimovic. Der aus dem Nationalteam zurückgetretene Stürmerstar griff zum Handy und schickte einen seiner berüchtigten Ego-Tweets ab.
Ein Foto der feiernden Spieler betitelte Ibrahimovic mit: „Wir sind Schweden“ – wobei er sein Heimatland mit „Z“ wie „Zlatan“ schrieb. Dabei hatte der selbst ernannte Fußball-Gott keinerlei Anteil am 0:0 im Playoff-Rückspiel in Italien und am WM-Ticket. Trotzdem kamen sofort Spekulationen über ein Comeback für die Endrunde im Sommer 2018 in Russland auf. Dabei stellt sich die Frage: Braucht das schwedische Team den Individualisten Ibrahimovic überhaupt?
Ja, sagt dessen Berater. Mino Raiola würde seinen Schützling zu gerne bei der WM spielen sehen. „Wenn es nach mir geht, würde ich ihn persönlich dort abliefern“, zitiert der „Expressen“ eine SMS seines Beraters. Lars Richt, Sportdirektor im schwedischen Verband, erklärte: „Es ist klar, dass ich darüber nichts sagen kann. Heute feiern wir und reden nicht über das nächste Jahr.“
Bei der Mannschaft kamen die Fragen nach dem Superstar überhaupt nicht gut an. „Mit dieser Frage beschäftigen wir uns ein anderes Mal“, sagte Mittelfeldspieler Sebastian Larsson knapp. Es schien ihn zu nerven, dass die Stunde des Triumphs von der Fragerei nach Ibrahimovic (62 Tore in 116 Länderspielen) überlagert wird.
Schwedens Verband dürfte es sich gut überlegen, den nach einem Kreuzbandriss noch unfitten Angreifer zurückzuholen. Zum einen hat sich eine gesunde Hierarchie im Team gebildet, zum anderen beruht der Erfolg auf dem kollektiven Verteidigen aller zehn Feldspieler. Wie passt Ibrahimovic da noch rein?
Gar nicht, sagt der frühere Nationalspieler Kurt Hamrin. Ibrahimovic sei auf dem Platz „eine Qual“, ätzte der 82-Jährige in der Zeitung The Sun: „Er spielt nur für sich und sorgt dafür, dass das auch der Rest des Teams macht. Er ist der beste Spieler der letzten 20 Jahre in Schweden, aber die Tatsache, dass er nicht hier ist, ermöglicht es jedem, zu wachsen und mehr Verantwortung zu übernehmen.“
Gewachsen ist auch Emil Forsberg. In Mailand war der Leipziger Profi aber eher als Malocher gefragt. „Jetzt sind wir bei der WM“, sagte Forsberg: „Ich kann einfach nur lachen.“ sid