Doping

Russland-Krise überschattet WADA-Treffen

von Redaktion

Seoul/Köln – Wenn heute und morgen die obersten Dopingjäger in Seoul beraten, geht es längst um weit mehr als nur um die Wiederaufnahme Russlands. Es geht um Glaubwürdigkeit, gegenseitige Schuldzuweisungen – und indirekt auch um den Olympiastart des Riesenreichs. Verbissen kämpft Russland nach dem Dopingskandal von Sotschi um die Teilnahme in Pyeongchang – doch schon beim ersten Schritt zur Rückkehr in die internationale Sportgemeinschaft werden die Russen aller Voraussicht nach scheitern.

„Es wird schwierig, sie zu überzeugen“, sagte selbst Russlands Sportminister Pawel Kolobkow vor dem Treffen der obersten Gremien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). In der südkoreanischen Hauptstadt entscheidet die WADA über das Ende der seit November 2015 bestehenden Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA. Doch nach den Entwicklungen der letzten Wochen ist dies illusorisch. Nach Informationen der ARD wird es nicht zu einer Rehabilitierung kommen.

Die Forderungen der WADA sind klar: Anerkennung des McLaren-Reports, der Russland institutionalisiertes Doping attestiert. Und die Herausgabe von in Moskau gelagerten Dopingproben. Beides ist bisher nicht passiert. Im Gegenteil. „Es wird schwierig für das IOC, die Tatsache zu ignorieren, dass es weder ein akkreditiertes russisches Dopinglabor noch eine akkreditierte russische Anti-Doping-Agentur gibt“, sagte der Kanadier Richard „Dick“ Pound, kanadisches IOC-Mitglied und einst erster Präsident der WADA: „Der Druck wird größer.“

Statt vor dem Treffen deeskalierend zu wirken, verschärfte Russland in den letzten Wochen deutlich den Ton. Eine russische Untersuchungskommission sah die Erkenntnisse McLarens gar als „widerlegt“ an.  sid

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