München – Ab heute und für die nächsten Wochen werden die Spieler des EHC München wieder den Alltag erleben, mit der Heimpartie gegen die Schwenninger Wild Wings (19.30 Uhr) kehren sie in den Betrieb in der Deutschen Eishockey-Liga zurück. Es wird eine Spur langsamer zugehen als zuletzt.
Zuletzt: Das waren die beiden Achtelfinal-Begegnungen mit dem SC Bern in der Champions League und für zehn EHC-Cracks zudem die Auftritte beim Deutschland-Cup in Augsburg mit ihren Nationalmannschaften. Das Turnier mit Russland, Slowakei und den USA trug den Deutschen zwei Niederlagen ein – die Münchner unter ihnen erlebten nach dem internationalen Aus gegen Bern weitere Male eine andere Seite als in der Liga, die sie mit dem EHC wie selbstverständlich anführen.
Der Deutschland-Cup hat trotz der negativen Bilanz (nur ein Sieg) einigen Münchnern aber gutgetan. Danny Aus den Birken war von den deutschen Torhütern (neben ihm der Mannheimer Dennis Endras und der Ingolstädter Timo Pielmeier) der mit den besten Werten: In seinen 60 Einsatzminuten kassierte er nur einen Gegentreffer, mit ihm spielte das deutsche Team defensiv am verantwortungsvollsten und verbuchte den einzigen Sieg (5:1) gegen die USA.
Dominik Kahun wurde anschließend von Bundestrainer Marco Sturm zum Führungsspieler ausgerufen. „Er war unser bester Spieler beim Deutschland-Cup – und bei den Olympischen Spielen wird er wichtig sein, weil wir Leon Draisaitl nicht zur Verfügung haben. Draisaitl ist der gleiche Jahrgang wie Kahun (1995), beide spielten in nordamerikanischen Profiligen und trugen zusammen die deutschen U-Nationalmannschaften. Der körperlich robustere Draisaitl ist mittlerweile ein Star in der NHL, Kahun hat den Gedanken an die Karriere „drüben“ noch nicht aufgegeben.
Für Yannic Seidenberg war der Deutschland-Cup hilfreich, um herauszufinden, ob er auch im Nationalteam die Rolle als Verteidiger übernehmen kann, die ihm im Verein nach einem langen Mittelstürmerleben zugefallen ist. Nun sagt er: „Verteidiger zu spielen macht mir derzeit sogar mehr Spaß.“ So viel anders war es unter Marco Sturm nicht als unter Don Jackson in München: „Es waren minimale Umstellungen.“
Seidenberg hat den neuen Job verinnerlicht. Im Verlauf der gesamten Saison rückte er erst zweimal in den Angriff: Für den EHC München im Schlussdrittel des letzten Spiels gegen Iserlohn und jetzt in der Nationalmannschaft. Da ersetzte er während der USA-Partie den angeschlagen ausgeschiedenen Nürnberger Leo Pföderl. Marco Sturm bewundernd: „Spielt der Yannic halt schnell mal Außenstürmer und schießt noch ein Tor.“ Zuvor hatte er als Verteidiger schon zwei Treffer vorbereitet.
Yannic Seidenberg hat sogar schon mal Torwart ausprobiert („Im Nachwuchs einmal, aber da habe ich mich gleich verletzt“). Gerne hätte er am Sonntag seinen Münchner Teamkollegen David Leggio bei den USA im Kasten gesehen. Das wäre interessant und brisant gewesen: Deutschland mit Aus den Birken, die USA mit Leggio, auf jeder Seite ein München-Goalie. Im Klub wechseln sie sich ab.
Leggio wurde von US-Coach Tony Granato aber nur als Ersatz nominiert für dieses Spiel. „Ich hätte gewusst, wo ich bei ihm hinschießen muss“, meinte Seidenberg, doch es kenne umgekehrt auch der Kollege seine Eigenarten. „War also vielleicht doch gut, dass wir aufeinandergetroffen sind und einer das Selbstvertrauen des anderen zerstört hätte.“