Ertragreiches Miteinander

von Redaktion

Marcelo Melo brilliert mit Lukasz Kubot im Doppel – privat versteht sich der Brasilianer bestens mit Alexander Zverev

Von Doris Henkel

London – Anfang Januar, beim ersten großen Turnier des Jahres, sprachen Marcelo Melo und Alexander Zverev über das Ende der Saison. „Mann“, sagte Melo, „kannst du dir vorstellen, wie cool das wäre, wenn wir uns beide für die Finals in London qualifizieren würden?“ Der brasilianische Doppelspieler und Deutschlands Nummer eins sind seit zwei Jahren beste Freunde, Melo trainiert immer wieder mal mit Zverev in Monte Carlo oder Saddlebrook/Florida, aber er ist in gewisser Weise schon einen großen Schritt weiter – er ist bereits die Nummer eins der Welt.

Nach dem Sieg im ersten Gruppenspiel im Doppel stand fest, dass Marcelo Pinheiro Davi de Melo aus Belo Horizonte und dessen polnischer Partner Lukasz Kubot das Tennisjahr 2017 an der Spitze der Weltrangliste beenden werden, und dafür gab es nach dem Spiel an Ort und Stelle einen großen Pokal. Das hatte er zwei Jahre zuvor schon mal geschafft, allerdings mit einem anderen Partner, Ivan Dodig. Mit dem Kroaten war er Melo vier Jahre sehr erfolgreich, gewann den Titel bei den French Open und war seit 2013 jedes Jahr in London beim großen Finale dabei. Aber im Leben wie im Spiel enden Partnerschaften und entstehen neue, und wenn nicht alles täuscht, dann klappt es in der neuen genauso gut wie viele Jahre lang in der alten.

Worauf man achten muss, wenn man einen neuen Mann fürs Doppel sucht? „Manche legen darauf Wert, wie gut sie sich außerhalb des Platzes verstehen“, sagt Melo, „manche achten darauf, wie gut die Spielweisen beider Partner zusammen passen. Für mich ist beides wichtig. Im Spiel ist Lukasz der mit den besseren Returns, ich spiel’ die besseren Volleys.“ Der Ertrag des ersten Jahres der Zusammenarbeit zwischen dem eher zurückhaltenden Polen und dem weltgewandten Brasilianer deutet jedenfalls darauf hin, dass die beiden auch bei der Partnerwahl das richtige Händchen hatten: Sie gewannen sechs Titel, darunter den wichtigsten von allen, in Wimbledon, und es könnte noch ein siebter dazu kommen, denn die beiden sind in London bereits für das Halbfinale qualifiziert.

Wie jeder der 16 Doppelspieler, die dieser Tage in der O2 Arena bei der Arbeit sind, genießt Melo die spezielle Atmosphäre im leuchtenden Blau. Selbst bei größeren Turnieren wird Doppel oft vor halb leeren Rängen gespielt, dabei passiert so viel mehr, wenn vier Leute auf dem Platz stehen. Die Besten der Welt verwöhnen das Publikum mit atemberaubenden Reaktionen am Netz, mit Wechselspiel und taktischen Variationen, mit Emotionen und manchmal auch mit Flugeinlagen. In London ist die Halle mit ihren 17 800 Plätzen auch bei Doppelspielern oft bis unters Dach besetzt, und Melo sagt, es sei für alle einfach großartig bei diesem Turnier. „Die Leute hier sehen die besten Doppelspieler der Welt, sie schenken uns ihre Emotionen, und wir bereiten uns so gut wir können vor, um jeden Moment, jeden einzelnen Punkt des Spiels genießen zu können.“

Beim Sieg im ersten Spiel, mit dem Brasilien und Polen den Platz an der Spitze der Weltrangliste zum Jahresende sicherten, saß Alexander Zverev in Melos Box. Der sagt, es hab ihm viel bedeutet, die Unterstützung zu spüren, zu hören und zu sehen, normalerweise sei es ja umgekehrt. Er ist 14 Jahre älter, und natürlich wird er oft gefragt, wie das denn funktioniere mit der Freundschaft bei diesem Unterschied. Er beantwortet die eher fantasielose Frage so: „Es ist mir völlig egal, ob Sascha 14 Jahre jünger ist. Wir sind einfach nur zwei Typen, die super miteinander auskommen. Ich habe eine Menge Respekt für ihn, er hat eine Menge Respekt für mich. Und ich schätze mich glücklich, dass ich so gut von seinem Team und seiner Familie aufgenommen werde, wenn ich sie besuche. Ich hoffe, das wird noch lange so weitergehen.“

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