„Wir werden ein anderes Spiel erleben“

von Redaktion

Augsburgs Verteidiger Philipp Max über die 0:6-Erinnerung, das Konzept gegen Arjen Robben und DFB-Ambitionen

Augsburg – Philipp Max, 24, Außenverteidiger beim kommenden Bayern-Gegner FC Augsburg, kann in seiner Karriere schon einige Erfolge aufweisen: 2016 war er Mitglied des olympischen Silber-Teams, 2012 Deutscher A-Junioren-Meister mit Schalke. Und, so fing es an: Er gewann in der E-Jugend den Merkur CUP, 2004. „Mit 1860. Endspielsieg über den SV Pullach; im Halbfinale hatten wir gegen die Bayern gewonnen.“ Jetzt ist Max ein gestandener Bundesligaspieler, diese Saison mit einem Tor und fünf Vorlagen punktbester Verteidiger.

-Philipp Max, am Freitag und Dienstag waren die deutschen Länderspiele in England und gegen Frankreich. Auf der Position des linken Außenverteidigers sucht Bundestrainer Joachim Löw nach Lösungen. Manche hätten Sie im Aufgebot erwartet.

Das ist ein Thema, das von außen an einen herangetragen wird. Ich will es eigentlich gar nicht so an mich ranlassen und fokussiere mich voll auf den FC Augsburg. Alles, was dazukommt, ist was Wunderbares. Ich bin hungrig, es irgendwann mal zu schaffen, aber nicht enttäuscht, dass es nicht jetzt ist.

-Es gibt zwei konkurrierende Abwehrsysteme: die traditionelle Viererkette und die Dreier-, die oft zur Fünferkette wird. Welches wird sich durchsetzen?

Beide sind beliebte Systeme, und durch die Jugendarbeit tun sich alle Spieler leichter, sie zu spielen. Bei der Nationalmannschaft und auch bei uns in Augsburg ist es so, dass wir manchmal mit der Fünferkette spielen. Wichtig ist, dass es die Spieler mit voller Überzeugung annehmen. Es gibt auch Mannschaften, die schon versucht haben, von jetzt auf gleich in München mit einer Fünferkette zu spielen und haben dann sechs Dinger bekommen – wie wir letztes Jahr. Aber jetzt sind wir uns sicher, wie wir es angehen müssen. Wir hatten eine lange Sommervorbereitung mit Manuel Baum, letztes Jahr war das durch den Trainerwechsel anders (bis Dezember war Dirk Schuster FCA-Trainer, d. Red.), die Abläufe sitzen nun.

-Ab wann in Ihrer Karriere waren Sie linker Verteidiger?

In der U 11 habe ich so angefangen, als ich in die U 19 von Schalke kam, hat mein Trainer gesagt, ich soll weiter vorne spielen. Er hat gesehen, dass ich ein gewisses Maß an Selbstvertrauen bekommen muss. Das habe ich im zweiten Jahr in der U 19 auch hinbekommen, da habe ich 15 Tore gemacht. In der U 23 bin ich dann wieder linker Verteidiger gewesen, das ist meine Stammposition. Das hat mein Papa auch immer gesagt: Wenn du schon Linksfuß bist, warum sollst du nicht linker Verteidiger ausprobieren?

-Ihr Vater: Martin Max, UEFA-Cup-Sieger 1997 mit Schalke und in den frühen 2000er-Jahren Torjäger des TSV 1860, sogar Bundesligatorschützenkönig.

Und in den Jugendmannschaften von 1860 und Bayern habe ich die richtige Ausbildung bekommen, dafür sind die Münchner Vereine auch bekannt.

-Sie waren drei Jahre im Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern. Wie war es denn da?

Es ist egal, ob man bei den Profis oder in einer Jugendmannschaft spielt: Man muss sich damit auseinandersetzen, dass die Gegner 110 Prozent geben. Aber das stärkt, lässt einen reifen, man tritt dominant auf. Mit viel Selbstvertrauen, das allerdings leider auch in Überheblichkeit umschlagen kann. Bei 1860 dagegen wurde man eher unterschätzt. Es war jedenfalls wichtig für mich, beide Seiten kennenzulernen.

-Sie sind mit Ihren Eltern 2010 in den Westen gegangen und haben fortan bei Schalke 04 gespielt. Wäre es eine Option gewesen, alleine in München und bei den Bayern zu bleiben?

Nein, der wichtigste Schritt, den ich bislang gemacht habe, war der zu Norbert Elgert in die Schalker Knappenschmiede. Ohne ihn wäre ich kein Profi geworden, er wusste genau, was ich brauche und hat an den richtigen Schrauben angezogen. Er weiß das einfach bei jedem Spieler, deshalb steht er auf den Zetteln vieler Jugendakademien. Ich verdanke ihm viel.

-War der FC Bayern zu einer Sackgasse geworden?

Definitiv. Ich hatte mit 16, 17, als ich die Pubertät durchlief, nicht mehr so den Spaß am Fußball. Als ich nach Hause kam, nach Nordrhein-Westfalen, habe ich mich besser gefühlt. Ich habe einen gleichaltrigen Cousin, der in der U 19 vom VfL Bochum gespielt hat, er war der Anlaufpunkt für mich, der mir in München gefehlt hatte. Mit den Erfolgen in der U 19 auf Schalke hat sich alles zum Positiven gewendet.

-Sie haben es schon angesprochen: Vorige Saison kassierte der FC Augsburg eine 0:6-Niederlage in München. Wie erlebt man auf dem Platz ein Spiel, das von Anfang an massiv gegen einen läuft?

Du merkst es, wenn die Bayern Spaß am Fußball finden und ins Rollen kommen. Sie haben die unglaublich hohe individuelle Qualität, mit der sich einer auch mal gegen zwei, drei Leute durchsetzt, wodurch andere Spieler frei werden. Du kriegst keinen Zugriff mehr, so kommen auch mal sechs Gegentreffer zustande – und es hätte ja noch höher ausgehen können. Aber es war damals eine komplett andere Konstellation: Das System war neu, einige Spieler waren sehr unerfahren. Jetzt werden wir ein anderes Spiel erleben.

-Beim 0:6 spielten Sie gegen Kingsley Coman. Am Samstag wird Arjen Robben auf Ihrer Seite angreifen. Wie verteidigt man gegen den?

Er ist einer der besten Rechtsaußen, die es jemals gegeben hat, und war einer meiner Lieblingsspieler, als ich klein war. Wie verteidigt man gegen ihn? Kollektiv. Im eins gegen eins ist er zu intelligent und zu schnell in seinen Bewegungen, da kann man ihn nicht aufhalten.

-Und doch kommt immer wieder dieser eine Move: nach innen.

Das denkt man auch auf dem Feld: Dass er nach innen geht. Aber wenn er einmal eine Bewegung nach außen macht und du spekulierst als Verteidiger nach innen, ist die ganze Außenbahn frei. Mein Job ist es eher, die Außenbahn zuzumachen, damit er nach innen zieht und ich von da Hilfe bekomme. Wir sind so gestärkt und haben einen solchen Lauf, dass wir da Lösungen finden werden.

-Sind Sie so schnell wie er?

Ich weiß nur, dass ich nicht langsam bin und auch auf Strecke meine Stärken habe.

-Sie wirken diese Saison spritziger als letzte. In die kamen Sie schwerer rein. Wegen Olympia?

Seit ich bei meiner Freundin bin, habe ich drei Kilo abgenommen. Im Ernst: Ich weiß nicht, ob ich anders trainiere. Ich versuche einfach, gut zu schlafen, gut zu essen, und fahre ab und zu nach München in die Praxis von Oliver Schmidtlein (früherer Reha- und Fitnesstrainer von 1860, Bayern und deutscher Nationalmannschaft) zum Trainieren. Es ist ein großes Gesamtpaket, das sich im Moment auf die Leistung auswirkt.

-Sie haben 2016 die olympische Silbermedaille gewonnen. Wirkt das Erlebnis immer noch nach, vielleicht auf ewig?

Das bleibt für immer, das waren auch meine ersten Erfahrungen mit dem DFB, denn in den Jugendnationalmannschaften war ich nie. Ich habe in Brasilien alles aufgesaugt wie ein Schwamm. Die Medaille hängt zuhause an der Wand, ab und zu schaue ich drauf.

-Was eine Besonderheit in Ihrer Karriere ist: Ihr jetziger Trainer Manuel Baum war ja schon Ihr Lehrer an der Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen. Wie intensiv haben Sie ihn als Pauker erlebt?

Ich hatte ihn in der 9. und 10. Klasse in Sport und Sporttheorie, musste auch die dreiteilige Abschlussprüfung bei ihm machen. War nicht ganz leicht, aber alle haben es geschafft.

-Haben Sie Baums Trainerlaufbahn verfolgt?

Klar. Bei Unterhaching, wo er Cheftrainer wurde, haben auch einige meiner früheren Mitschüler gespielt. Und als ich nach Augsburg kam, habe ich ihn hier mit als erstes gesehen, da war er noch Cheftrainer Nachwuchs. Dass ein Trainer sich so entwickelt, war natürlich nicht abzusehen.

-Viele versehen Sie mit dem Namenszusatz „Der Sohn von Martin Max“. Gibt es im Hause Max eine interne Konkurrenz?

Das wäre vollkommener Quatsch. Ich bin einfach da angekommen, wo ich es mir immer erträumt habe – darüber freut gerade er sich. Er ist ein normaler Vater für seinen Sohn – nur dass er halt 400 Bundesligaspiele gemacht hat.

Das Interview führte Günter Klein

Artikel 1 von 11