Wenn „Mull“ auf Wagner trifft

Zurück zu den Wurzeln

von Redaktion

Wie schön schnelllebig dieses Geschäft im Allgemeinen und im Speziellen beim unter dem Brennglas stehenden FC Bayern ist, lässt sich mit einem Blick zurück beweisen. Und in München muss man dafür meist nicht mal weit in die Vergangenheit gehen, auch diesmal nicht. Denn die These, dass es im vergangenen Sommer beinahe zu einer Begegnung von Alexis Sanchez oder Antoine Griezmann (oder am besten beiden) mit Dr. Volker Braun und Carlo Ancelotti gekommen wäre, liegt auf der Hand. Jeder erinnert sich: Gesucht war damals ein Topstürmer, eine „Granate“ (Uli Hoeneß), während Mannschaftsarzt und Trainer unantastbar waren. Heute sieht das alles anders aus.

Es bedarf deshalb keiner großen Fantasie, um eine neue These aufzustellen. Nämlich die, dass es nicht mehr lange dauern wird, ehe im schönen Alten Hof Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Sandro Wagner zu einem medizinischen Check aufeinandertreffen werden. Bleibt man oberflächlich, kann man sagen: Die Bayern haben einen besseren Arzt an Bord und eine schlechtere Stürmer-Alternative in Aussicht als noch vor der Saison. Bleibt man fair und objektiv, muss man hinzufügen: Beide Rückkehrer sind naheliegend, beide Positionen optimal besetzt.

Die ausstehende Unterschrift des Hoffenheimers Wagner zur Winterpause vorausgesetzt, steht für die Bayern eine durchaus vielversprechende Bilanz der heute endenden Länderspielpause zu Buche. Denn sie haben mit – manch freiwilligen, manch unfreiwilligen – Personalentscheidungen gleich zwei Brandherde bis auf Weiteres gelöscht. Volker Braun ist nicht mehr da und somit auch nicht mehr unzufrieden, wenn die verletzten Spieler halt doch lieber zum „Mull“ rennen. Und Robert Lewandowski dürfte bald nicht mehr unzufrieden sein, weil er endlich einen Ersatzmann hat. Keinen, der ihm ernsthaft gefährlich werden könnte. Aber einen, der ihn gerne entlastet und auch sicher nicht locker lassen wird, wenn es um Bundesliga-Einsätze geht.

In beiden Fällen werden Kritiker unken: Zurück zu den Wurzeln – was anderes kann der FC Bayern nicht. Worte wie „altbacken“, „Familienklüngel“ und „Ewiggestrige“ fallen an den Stammtischen der Republik dann gerne. Dabei ist in dieser schnelllebigen Branche Altbewährtes nicht immer das Schlechteste. Es reicht ein kurzer Blick zurück: Denkt wirklich noch jemand an Carlo Ancelotti?

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