Freier Sonntag inmitten der Krise

von Redaktion

Dortmund wankt in die brisante Derby-Woche – an deren Ende es für Trainer Peter Bosz womöglich eng werden könnte

von oliver mucha

Dortmund – Borussia Dortmund wankt in die brisante Derbywoche, doch Peter Bosz gönnte seinen Spielern einen freien Sonntag. Nach dem nächsten Rückschlag in Stuttgart sollten die sichtlich verunsicherten BVB-Profis um den zuletzt suspendierten Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang erst einmal die Köpfe freibekommen. Auch der angeschlagene Trainer konnte noch einmal durchatmen. Doch ab heute zählt es.

Sollte der DFB-Pokal-Sieger seinen bedenklichen Abwärtstrend auch in der Champions League gegen Tottenham Hotspur (morgen, 20.45 Uhr) und im Revierderby gegen Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr/beide Sky) nicht stoppen, könnten die Tage von Bosz gezählt sein. „Wir geben nicht auf“, sagte der Niederländer nach dem ernüchternden 1:2 (1:1) bei Aufsteiger VfB Stuttgart trotzig. Es klingt schon ein wenig nach Durchhalteparolen – nicht nur bei Bosz.

Nach der Länderspielpause sollte alles besser werden, doch nach dem fünften Ligaspiel ohne Sieg in Serie hat sich die Situation noch einmal verschärft. Beim einst souveränen Tabellenführer herrscht ein Gemisch aus Enttäuschung, Verzweiflung und Ratlosigkeit. „Wir müssen einfach zusammenbleiben als Mannschaft. Wir müssen uns Mut zusprechen, müssen klar bleiben“, sagte Nationalspieler Andre Schürrle und setzt auf den Faktor Zeit: „Irgendwann wird der Knoten wieder platzen.“

Irgendwann könnte für Bosz zu spät sein. Schon nach der Pleite in Stuttgart waren Pfiffe aus dem Dortmunder Block zu hören, bei einer Niederlage gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen würde die Stimmung endgültig kippen. Kapitän Marcel Schmelzer mahnt in dieser äußerst kritischen Phase zu Besonnenheit. „Wir können uns die Köpfe einschlagen, aber das bringt auch nichts“, sagte Schmelzer und nahm seinen Trainer aus der Schusslinie: „Nicht der Trainer macht diesen Fehler zum Gegentor, sondern wir. Die Trainerfrage stellt sich für uns nicht.“ Damit müssten sich die Verantwortlichen allerdings beschäftigen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc schwiegen nach dem Spiel in Stuttgart. Sie mussten auch nichts sagen. Die Slapstick-Einlage von Marc Bartra und Torhüter Roman Bürki vor dem 0:1 durch Chadrac Akolo (5.) brachte den derzeitigen Zustand der Dortmunder Mannschaft zum Ausdruck.

Nach dem Ausgleich durch Maximilian Philipp (45.+3) besiegelte Josip Brekalo (51.) die dritte BVB-Niederlage in der Serie. Das gab es zuletzt im Herbst 2014. „Wenn man sieht, wie wir die Gegentore bekommen, ist das fast lächerlich“, sagte Bosz. Doch auch der Coach muss sich Vorwürfe gefallen lassen. Er fand keine Antwort auf die taktische Änderung des VfB zur Pause. Die Dortmunder Defensive war bei Kontern gewohnt anfällig. „Es ging hin und her, ohne Mittelfeld. Das dürfen wir als Spitzenmannschaft nicht zulassen. So hat jede Mannschaft eine Chance gegen uns“, sagte Schürrle.

Bosz muss aber nicht nur Taktikfragen beantworten, er hat auch personelle Sorgen. Abwehrchef Sokratis zog sich einen Rippenknorpelbruch zu. Sein Einsatz gegen Schalke ist aber nicht ausgeschlossen. Zudem ruhen die Hoffnungen auf Aubameyang. Nach seiner Suspendierung stand der Gabuner am Samstag mit den Reservisten auf dem Trainingsplatz – mit Handschuhen und schwarz-gelber Mütze. Gegen Tottenham dürfte er wieder zum Kader gehören.

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